Grundsätzliches

Liebe Blogleser,

die letzte Episode „Harry und Fred“ nehme ich mal zum Anlass, etwas über die Entstehung der Blogeinträge oder vielmehr meine Arbeitsweise zu erzählen. Einige Leser haben vielleicht Schwierigkeiten mit der Reihenfolge und wundern sich über fehlende Tage, Fotos oder Tippfehler.

Thema Nr.1 ist die Chronologie oder zeitliche Anordnung der Blogbeiträge. Im Grunde ist ein Blog ja ein Tagebuch und jeder neue „Tag“ bzw. Eintrag steht automatisch oben und kann nicht an einer anderen Stelle einsortiert werden. Ich habe mir deshalb überlegt, in Zukunft an Tagen, wo ich den Blog nicht schaffe, eine Platzhalterseite mit einem kurzen Hinweis zu veröffentlichen. Sobald ich dann Zeit habe, erfülle ich den entsprechenden Tag mit Leben sprich Bericht und Fotos.

Nun etwas zum Blog: Es ist ein Reiseblog ! Bis auf wenige Beiträge (Kategorie Allgemeines) entstehen die meisten auf Reisen und werden von mir bis auf weiteres auf dem Smartphone erstellt. Ich schreibe meistens abends, oft bis spät in die Nacht, um möglichst viele Details noch zu erinnern und den Lesern immer aktuelle Informationen zu unserer Tour zu geben. Die Konzentration ist deshalb manchmal nicht mehr so hoch und außerdem tippt es sich mit dem Stift des Handys (Samsung Galaxy Note) nicht so exakt wie am PC. Das soll etwaige Schreibfehler erklären, die mir mangels Zeit dann doch unterlaufen. Ich bin aber auch nur ein Mensch und an manchen Tourtagen so erschöpft, dass ich abends keinen Blog mehr schreibe. Das hole ich meistens am nächsten Tag nach. Dummerweise ist an den harten Radtagen ( z.B. Passüberquerung oder viele Kilometer) auch oft viel passiert und zu berichten. Ich muss dann immer Zeit finden, den Stau wegzuschreiben.

Den Reintext tippe ich übrigens in ein Schreibprogramm und speichere ihn zusätzlich lokal, weil es mir schon passiert ist, dass Text in WordPress ungespeichert verloren gegangen ist. Außerdem gibt es eine Rechtschreibkontrolle.

Nun zu den Fotos : Mit der neuen App von WordPress ist es einfach, Fotos vom Handy in die Beiträge einzufügen. Manche Fotos muss ich aber noch von meiner Hauptkamera auf das Handy übertragen. Und vor dem Einfügen verkleinere ich die Fotos mittels PhotoResizer auch noch, weil ich nur begrenzten Serverspeicherplatz von insgesamt 3 GB auf WordPress habe. Dafür ist der Webspace noch gratis für mich.
Zusammengefasst:  Fotos einfügen ist ein zusätzlicher Aufwand, der auch Zeit und Konzentration kostet.  Deshalb schaffe ich es auch meist erst irgendwann später, Fotos einzufügen. Eine pünktliche Veröffentlichung des reinen Textes geht immer vor. Wer also die kompletten Beiträge mit Fotos sehen möchte, liest am besten zeitversetzt oder muss ein zweites Mal durchblättern. Die einzelnen Touren sind ja in Kategorien geordnet, um auch ältere Reisen komplett und schnell nachlesen zu können.

Warum schreibst Du den Blog nicht in Ruhe nach der Reise?“ wird mancher fragen. Zum einen, weil uns einige Abonnenten auf den Reisen „ begleiten“ und die zeitnahen Einträge am späten Abend oder frühen Morgen gerne lesen. Zum anderen, weil ich sowieso Notizen machen müsste und wenig Zeit einsparen würde. Die Berichte würden auch weniger authentisch und emotional sein.

Macht Dir das bloggen überhaupt noch Spass ?“ könntet ihr jetzt fragen.
„Ja klar“ ist die Antwort. Erstmal schreibe ich für mich oder uns, um später nochmal „die Abenteuer“ nachlesen zu können. Wenn man Glück hat, findet man dann noch Details wie Restaurantnamen oder Besonderheiten, die bei einem 2. Besuch nützen können. Die Resonanz in der Statistik und einige schöne Kommentare sind natürlich der zweite Grund für die Veröffentlichung des Tagebuches. Wir unterstützen sehr gern andere Radreisende bei ihren Planungen, um diese Reiseform populärer zu machen. Der Youtubekanal ist unser 2. Standbein dafür, aber die Inhalte erscheinen dort doch deutlich später.

Warum stört die Werbung in eurem Blog“?
Das hat den Grund, daß der Account gratis von WordPress zur Verfügung gestellt wird und die geschaltete Werbung dieses finanziert. Wir sind am überlegen, in einen Basistarif (5 Euro/Monat) zu wechseln, um die Werbung zu unterdrücken und noch andere Verbesserungen zu erhalten.

So, ich hoffe, daß dieser kleine informative Blick hinter die Kulissen ein wenig verständlich macht, warum dieser Blog so ist, wie er ist. Und daß ich mir auch Gedanken mache, wie ich ihn noch verbessern kann.

Ich würde mich über Gedanken, Kommentare, Verbesserungsvorschläge oder einfach nur Zustimmung-Lob-Applaus sehr freuen.

3. Radtag Wetzlar bis Limburg

04.10.2019 Wetzlar – Limburg a. d. Lahn 66 km 310 HM ca. 4 Std. Bewegungszeit

Gegen 7:30 Uhr ist allgemeines Aufstehen und die morgendliche Dusche lockt uns aus dem Schlafsack. Die Zelte werden wir nass einpacken. Kondenswasser und Tau trocknen nicht ab bei windstillem Herbstwetter ohne Sonne. Regen ist für den Morgen angesagt. Den Aufenthaltsraum und das Vordach nutzen wir zum Packen. Klaus ist uns schon eine halbe Stunde voraus und verabschiedet sich in Regenklamotten Richtung Marburg. Wir rollen die Zelte gerade noch so im Trockenen zusammen, aber wenig später beginnt der Regen.
500 m entfernt ist ein großes Einkaufszentrum mit Cafe. Das steuern wir an und frühstücken dort erstmal wieder gemütlich. Eibrötchen mit Krautsalat und ein Dreieck Fladenbrot mit Schafskäse und Zwiebeln. Harry kauft sich noch eine Haarbürste und eine batteriebetriebene Fahrrad-„Notbeleuchtung“. Bei der Installation des E-Werks ist wohl ein Lichtkabel abgerissen und nun funktioniert die feste Beleuchtung nicht.
Dann beginnt die Regenfahrt entlang der Lahn. Hier gibt es Bergbau und das Tal wird enger und sehenswerter. Trotzdem ist ein Radweg bei dem Wetter nur halb so schön. Sekt oder ? Ja durch die berühmte „Wasserstadt“ Löhnberg-Selters führt der Weg. Leider gibt es keine öffentliche Zapfstation für Radler.

Dort kommt uns auf einer Holzbrücke tatsächlich ein Radreise-Paar entgegen. Windstille und Regen gibt eine ruhige idyllische Stimmung beim Blick von der Brücke.

Knapp 30 km sind wir gefahren und beschliessen in Weilburg ein trockenes Plätzchen zur Mittagspause zu suchen. Am Bahnhof fällt uns das Oberlahnbad mit seinem Bistro durch einen Aufsteller mit den Tagesangeboten ins Auge. Das passt, so nass wie wir schon sind. Wir breiten unsere nassen Klamotten in dem mollig-warmen Imbissbereich des angrenzenden Hallenbades aus und studieren die Speisekarte. Zwei andere Männer in Bademantel sitzen schon da und warten scheinbar auf ihre Bestellung. Die Servicekraft ist ausgesprochen freundlich und wir hören, dass das Bad erst seit 1 Jahr besteht und sie fürs erste Zeitverträge haben. Man warte ab, wie es läuft. Für uns läuft es gut: ein Fitnesssalat für Harry plus Apfelstrudel mit Eis und Sahne; gebratenes Fischfilet mit Kartoffelsalat für mich (ist schliesslich Freitag). Unsere Wartezeit mit Imbiss kann nicht besser laufen. Der Regen zieht auch über uns hinweg und als wir weiter wollen, ist es trocken. Die Regensachen lassen wir trotzdem erstmal an. Weilburg ist übrigens auch sehr sehenswert. Wir bestaunen die grosse Burganlage.

Der Lahnradweg zeigt sich ab hier bis Fürfurt von seiner schönsten Seite. Direkt am Ufer abseits jeglicher Verkehrsadern fahren wir in himmlischer Ruhe in der Natur.

Runkel

Und das Wetter spielt mit. Unsere Übernachtungsplanung ist bis jetzt noch offen. Camping oder Jugendherberge? In Runkel zerschlagen sich dann unsere Campingpläne. Ein Regengebiet zieht erneut auf und wir telefonieren mit der Jugendherberge, ob für 2 Personen Platz ist. Es ist 17:45 und bis 18:30 sollen wir da sein, um noch am Abendessen teilnehmen zu können. Das Navi zeigt etwa 10 km an. Nach Ennerich geht es über den Berg. Richtig anstrengend, weil wir ja auch noch unter Zeitdruck stehen. Ich ignoriere das Navi bis es nicht mehr geht. Auf einer Hauptstrasse pfeift mich eine Autofahrerin an, dass wir doch den Radweg benutzen sollen. Wir drehen um und fahren an einem Friedhof in Eschhofen vorbei etwas quer bis zum Bahnhof Limburg Süd. Etwas nördlich von Limburg in ländlicher Idylle liegt die Jugendherberge. Und wir sind tatsächlich 18:15 an der Pforte.
Die Rezeptionistin ist noch neu im Job und gibt unsere Daten bzw. Harrys DJH-Ausweis in die Software ein. Die Fahrräder können in einer Fahrradgarage weggeschlossen werden. Mit unseren Rädern stehen dort dann 11 Räder. Mein Zelt rolle ich zwecks Trocknung auf einem Ständer der Länge nach auf. Unser Zimmer mit 3 Doppelstockbetten haben wir für uns alleine. Wir bringen die Packtaschen hinein und gehen gleich zum Essen. In der warmen Abteilung gibt es noch Fischstäbchen, Röstis und Rotkohl. Dazu ein grosses Salatbuffet und Brot. Wir werden satt. Für den Abend kaufen wir noch eine Flasche Rotwein und Salzstangen. Die Duschen bleiben kalt, weil wohl die Kessel leer sind. Harry hat es zu spät bemerkt und sich kalt abgebraust. Wie sagt er? „ Der König wurde zur Königin“. Aber der Abend wird noch schön. Draussen sind junge Leute am Lagerfeuer (warum haben wir eigentlich nicht gezeltet?) Wir sitzen im Warmen und unterhalten uns bei Rotwein. Nebenbei trocknen Schlafsäcke und Regenkleidung (u.a. meine nassen Handschuhe) und die Akkus laden. Könnte es besser sein?

Harry’s Blog: https://harryradelt.blog/

Der 2. Radtag – Marburg bis Wetzlar

03.10.19 Marburg – Wetzlar 53 km reine Fahrtzeit 3:16 Std.

Nun noch die beiden fehlenden Radtage mit Harry. Zur Erinnerung: Wir sind an unserem ersten gemeinsamen Tag („Nicht mehr Allahn“) von Lützel/Lahnquelle bis Marburg auf den Campingplatz Lahnaue.
Die Nacht begann erst sehr kalt 6 Grad und wurde irgendwann wärmer 9 Grad, so daß ich nachts noch die Kleidung gewechselt habe. Der Tag soll wettertechnisch richtig gut werden. Die Zelte bekommen morgens sogar noch etwas Sonne ab, bevor wir abbauen. Im Waschraum brüht Harry 2 Tassen löslichen Kaffee mit seinem kleinen Tauchsieder. Richtiges Frühstück ist irgendwo in der Stadt geplant. Wir unterhalten uns noch mit dem „3. Zelt“ bzw. deren Bewohner Timo und Nadine, die schon länger unterwegs sind und nun bald wieder zuhause in Karlruhe. Bei einer Hilfsaktion – sie haben eine Ölspur der Feuerwehr gemeldet – ist eine ihrer Jacken samt Handy und Geldbörse verloren gegangen. Somit fuhren sie seitdem nur noch mit 1 Jacke (der arme Timo) und werden in Frankfurt von jemanden per Auto abgeholt. Ein sehr sympathisches junges Paar, das wir unterwegs nochmal wiedersehen werden.

Als die Zelte auch irgendwann auf dem Fahrrad festgezurrt sind und Zeltmarke plus Waschraumschlüssel gegen die 15 Euro Pfand wieder eingelöst sind, geht’s in die Marburger City. Der dritte Bäcker ist es: Backhaus Horst !

Wir können unsere Räder durchs Fenster sehen und sitzen im Warmen. Es weht draussen ein kalter Wind. 4 belegte Brötchen liegen da noch wie bestellt und der Kaffee schmeckt auch. Bei dem Kuchen können wir auch nicht widerstehen und essen ein Stück. Das Ganze dauert fast eine Stunde und hat uns nun richtig fit für die Strecke gemacht. Ein Laugenbrezel für unterwegs stecken wir auch noch ein.

Die Etappe ist flach, denn hier ist das Tal der Lahn breit. Der Wind kommt leider von vorne. Weimar heisst ein kleiner Ort unterwegs. Lollar, Sichertshausen, Wißmar durchfahren wir bis Giessen. Kurz vor Giessen ist das Naturschutzgebiet Lahnaue mit einem Aussichtspunkt. Von dort sieht man auf einem vulkanartigen Hügel die Burg Gleiberg.

Am Feiertag sind wieder viele Tagestourer unterwegs. Andere Radreisende sieht man selten.
Giessen streifen wir nur und Wetzlar – unser Tagesziel – ist nicht weit. Unsere leichteste Etappe endet um 17 Uhr am Campingplatz kurz vor Wetzlar vom Kanuverein Lahn-Dill. Wir fahren gerade aufs Gelände, da senken sich die Jalousien der Rezeption. Harry sprintet die Treppe hinauf und kann den jungen Angestellten noch zu 10 Überminuten überreden. Harry hatte vorbestellt, aber ich musste noch bezahlen und das Wichtigste: das Aufbaubier !

Ein Trauerspiel, wenn wir das diesmal auch wieder nicht bekommen hätten.
Die Zeltwiese ist direkt neben dem Eingang zum Waschraum. Dort sitzt ein Mann im Campingstuhl vor seinem Zelt und schaut Richtung Lahn. Sein Name ist Klaus, erfahren wir, als wir uns auch namentlich vorstellen. Sein Weg führt ihn Lahnaufwärts, also morgen nach Marburg. Nach der Lahnquelle möchte er zurück gen Minden-Lübbecke, seinem Wohnort. Besucht hat er Leute im Hunsrück. Alles per Rad und Zelt. Und das im Rentenalter vermutlich. Wir bauen unsere Zelte neben seinem auf und gehen dann mit unserem Kochzeug zu den Tischen und Bänken vor der Rezeption. Als Feiertagsessen gibt es Nudeln mit Gulasch. Harrys Gulasch wird noch mit angebratenem Speck und Zwiebel verfeinert. Es dämmert schon etwas, als wir endlich essen können. Das Bier ist dann auch leer und nach dem Abwasch besuchen wir noch das griechische Restaurant „Fischerhütte“ nebenan auf 1-2 Feiertagsbiere. Sehr gemütlich und gastfreundlich.
Die Nacht ist deutlich ruhiger als in Marburg. Kein Zugverkehr und nur eine Landstrasse , so muss es sein. Der Campingplatz ist eine Empfehlung und man kann online reservieren. Ein zusätzlicher Service ist der gemütliche geheizte Aufenthaltsraum vor den sanitären Räumen. Dort ist ein Kühlschrank, Steckdosen und ein Tisch mit Stühlen. Für die Duschen gilt: 1 Euro-Stück zum Öffnen der Duschkabine, aber dann unbegrenzte Duschzeit. Wenn man sich abwechselt, kann man also mit 1 Euro die ganze Mannschaft versorgen. Wir duschen erst am nächsten Morgen und da beginnt dann der nächste Blogbeitrag.

Harry’Blog : https://harryradelt.blog/

Wieder am Rhein zurück

Sa. 5.10.2019 Limburg an der Lahn – Koblenz 67 km, weiter per Zug bis Hannover via Dortmund und Bielefeld

Nun habe ich 2 Tage nichts von mir hören lassen, weil ich nicht dazu kam. Da ich noch 1 Woche Urlaub habe, werde ich von den beiden Tagen später noch berichten. Da werden sicher Details fehlen, aber es wird noch genug zu lesen sein. Zusammengefasst sind Harry und ich am Donnerstag von Marburg nach Wetzlar geradelt und haben dort gezeltet. Gestern ging es dann von Wetzlar bis Limburg, aber in eine Jugendherberge.

Limburger Dom

Frisch im Kopf ist noch der heutige Tag von Limburg bis Koblenz. In der Jugendherberge haben Harry und ich ein 6 Bettzimmer für uns allein. Ich wache von Glockengeläut auf und schaue auf das Handy 06:51. Um 6 Uhr sollte Harrys Wecker klingeln. Wenigstens das heiße Wasser funktioniert heute morgen. Die Dusche ist leer. Das Zimmer hängt voller Kleidung, Schlafsäcken und Elektronik. Um 8 Uhr sind wir im Frühstückssaal. Die japanische Kirchengruppe ist auch schon da. Es gibt Müsli, Brötchen, Brot und Aufschnitt. Eine gute Auswahl, sogar mit Gurkenscheiben und Tomaten plus Obstkorb.

9:30 Uhr sind wir abfahrbereit. Das Zelt lag über Nacht etwas ausgerollt in der Fahrradgarage und ich konnte es morgens besser wieder einrollen als am Morgen vorher im nassen Zustand. 3 andere Fahrradfahrer aus der Nähe von Köln starten kurz vor uns in die gleiche Richtung. Unsere 4te und letzte Etappe wollen wir etwas abkürzen. Bei Balduinstein wäre eine schwierige und gefährliche Passage, vor dem sogar der Radführer Bikeline warnt. Empfehlung ist, bis Laurenburg eine Station mit dem Zug zu fahren. Dieser fährt allerdings nur 1 mal pro Stunde.
Aber von vorne. Von der Jugendherberge bis zum Dom und zum Lahnradweg geht es gut bergab und dann um den Fuss des Kalkfelsens herum Richtung Alte Lahnbrücke. Beim Überqueren machen wir noch schöne Aufnahmen von dem Prachtbau mit den 7 Türmen und dem teuersten Badezimmer der neueren Kirchengeschichte.

Der nächste Ort heißt Diez und hat ein berühmtes Grafenschloß. Es sind an dem Radweg nun viele Schlösser oder Burgen sowie Ruinen zu sehen. Die Gegend hat Geschichte geschrieben. Die Lahn selber ist ab hier ein kanalähnlicher sehr ruhiger Fluß, auf dem viele Hausboote dahin schippern. Eine Woche für 900 Euro, 3 Tage für 500. Ohne Führerschein für Laien fahrbar. Ab und zu ist eine Schleuse zu befahren, aber auch das ist kein Hexenwerk wie wir es bei Kalkofen mal live sehen konnten.
Ich weiche aber von der Chronologie ab. Von Diez nach Balduinstein sind es noch 7 km und es ist erst 10:20. Der Weg ist direkt an der Lahn und wieder sehr idyllisch. Zuerst wollen wir uns nicht so unter Stress setzen, aber als dann nur noch 2 km bis zum Bahnhof sind, geben wir doch Gas um den Shuttle durch den Berg noch zu kriegen. Die letzten Meter kommt dann auch noch unbefestigter Weg, aber wir schaffen es trotzdem rechtzeitig. Die 3 Radler von der Jugendherberge stehen auch schon bei strahlendem Sonnenschein da, bzw. sind 2 von ihnen gerade am Ticketautomat auf dem anderen Gleis. Wir rufen hinüber, dass der Zug Verspätung hat und ob sie für uns noch Tickets mit kaufen können ? Dann fahren wir die 6 Minuten zusammen in der kleinen Regionalbahn nach Laurenburg.

Der kleine Schummler per Zug hat unsere Etappe um 16 km kürzer und die restlichen 42 km wesentlich entspannter gemacht. Die vielen Video- und Fotostopps ziehen den Geschwindigkeitsschnitt natürlich hinunter.

Und die Strecke bleibt trotzdem nicht so ganz leicht zu fahren. An einem der kleinen Anstiege in einem Wohngebiet treffen wir Eduardo! Er ist klein und drahtig, hat lange schwarze Haare, darauf einen Kegelhut und am hinteren Teil des kleinen Rades ist ein schmaler Transportwagen angebracht, worauf ein in Plastik verpacktes Gepäckstück gespannt ist.

Gebürtig von den Galapagos-Inseln, auf denen die Chinesen wohl auch schon ihre Expansionspolitik ausgedehnt haben, wie er berichtet. Er spricht gut deutsch und hat eine deutsche Frau, die aber nicht mitfahren wollte. Sein Weg geht auch in Richtung Rhein und er fragt uns, ob wir zusammen fahren wollen. Erst sagen wir ja, aber schnell merken wir, dass wir ein anderes Tempo drauf haben als er. Durch die vielen Foto- oder Filmstopps sind wir ihm zu langsam. So verlieren wir ihn nach kurzer Zeit wieder.

Kloster Arnstein

Vor Nassau kommt noch das Kloster Arnstein bei Obernhof nach einem heftigen Anstieg mit bis zu 16%. Wir werfen einen Blick hinter die Klostermauern dieses markanten Baukomplexes. Die Kirche ist innen eher schlicht gehalten. Eine Jugendbegegnungsstätte und Herberge ist auch am Platz, sowie ein Klosterladen. In diesem lernen wir eine nette Novizin kennen, die uns von ihrem Leben erstaunlich offen erzählt. Die orthodoxen Nonnen hätten das Kloster erst vor 4 Monaten von den Patres übernommen. Es wäre noch Alles ziemlich neu hier. Wir sind von der jungen Frau und ihrem offensichtlich festen Glauben beeindruckt. Weiter geht es durch den Wald an der Lahn Richtung Nassau. Hinter einer Schleife ist aber vorher noch ein Aussichtspunkt mit Bank, wo man das Kloster nochmal von Ferne sehen kann.

Ein etwas längeren Stopp machen wir erst wieder in Bad Ems mit seinen 15 Quellen. Es ist ein noch florierender Kurort mit noblem Flair und z.B. einer Spielbank. Dort treffen wir auch kurz nochmal Eduardo wieder und sehen ihn dann schnell nur noch von hinten wegradeln. Unsere Wasserflaschen füllen wir an der frei zugänglichen Römer-Quelle auf. Heilwasser – 42 Grad warm und voller Mineralien. Mir ist die Suppe etwas zu salzig oder gehaltvoll und mische noch Leitungswasser dazu. Dann ist sie in grösseren Mengen trinkbar.

Den restlichen Teil des Radweges nach Lahnstein geniessen wir noch bei bewölktem aber trockenem Wetter mit vielen Wochenendradlern. Auf der Lahn schippern einige Haus- und Ruderboote.

Wir sehen auf dem Berg vor uns das Kloster Allerheiligenberg und nach einer weiteren Kurve Burg Lahneck.

Direkt an der Lahn steht das historische Wirtshaus in dem schon Goethe 1774 verweilte.

Wenige hundert Meter weiter fliesst die Lahn in den Rhein und wir rollen auf die weite Wiese dort zum Abschlussfoto mit Schloss Stolzenfeld im Hintergrund. Die 3 Kölner stehen schon dort und wir lassen die Landschaft, die beiden Flüsse und das nahende Ende unserer Radreise auf uns wirken.

Unsere Züge gehen vom Koblenzer Hauptbahnhof 18:13 bzw. 18:44, also haben wir noch fast 3 Stunden Zeit. Harry schlägt vor, die Fähre zum Deutschen Eck zu nehmen. Dazu müssen wir noch einige Kilometer den Rhein entlang radeln, was nicht ununterbrochen am Ufer möglich ist. Die Fähre entpuppt sich als kleinen Dampfer und wir versuchen erst gar nicht mit unseren schwer bepackten Rädern dort hinauf zu kommen. Alternativ gibt es auch noch die B49-Brücke und nach nochmals 15 Minuten rollen wir zwischen etlichen Touristen aufs Deutsche Eck. Dort bitten wir zwei andere Radlerinnen, uns zusammen mit den Rädern zu fotografieren. Die beiden sind von Trier den Moselradweg gefahren und noch bis morgen in Koblenz.

Mittlerweile 16:45 Uhr lockt uns der naheliegende Biergarten mit seinem Imbiss und wir essen ein zünftiges Schnitzel mit Bier zum Abschluss. Zum Bahnhof sind es dann nur noch gut 2 km, die wir gut gestärkt in Angriff nehmen. Dabei kommt es noch zu einem Fast-Unfall, weil ich bei gelber Ampel in die Eisen gehe und Harry dank Scheibenbremsen schlimmeres verhindern kann.
Im Koblenzer Hauptbahnhof gibt es die üblichen gastronomischen Versorgungsquellen und nachdem ich mich für die 5 stündige Zugreise eingedeckt habe, suchen wir die Fahrstühle zum Gleis. Diese sind nur im rechten Tunnel, wenn man durch den Haupteingang eintritt. Auf die Beschilderung achten! Auf Gleis 3 rollt der EC6 pünktlich um 18:11 ein und wir stehen fast richtig im Abschnitt C. Als ich nach der Fahrradstellplatznummer schauen möchte, sitzt in der Nische eine Frau mit Kinderkarre und schaut mich hilflos an. Mir bleibt aber leider nichts anderes übrig, als sie auf einen anderen Platz zu verweisen. Da ich nicht sicher bin, ob sie gut deutsch spricht, werde ich etwas laut und energisch, da ja auch der Zug irgendwann weiter fährt und Harry draussen mit meinem Rad steht. Irgendwie platzieren wir es erstmal in dem Wagen und die Mutter schiebt die Karre in den Nachbarwaggon, wo auch noch das Bistro angrenzt. Alles sehr unglücklich gelöst und die Frage ist, ob der Schaffner das nicht hätte verhindern können(?). Der steht während des Haltes übrigens vor einem anderen Wagen und raucht. Als ich Rad und Taschen gesichert habe, suche ich neinen reservierten Sitzplatz, der auch schon von einer jungen Dame in Beschlag genommen wurde. Sie sucht sich aber ohne zu murren einen neuen Sitzplatz in dem Zug mit „Hoher Auslastung“.

Um das Ganze abzukürzen: Die beiden Anschlusszüge sind Regionalzüge und deutlich angenehmer für die Weiterfahrt. Gepäck kann drauf bleiben und Sitzplatz ist auch noch vor Ort. Pünktlich um 23:50 Uhr rolle ich in Hannover ein und bin kurze Zeit später zuhause.

Nachtrag: Nun kommen die beiden fehlenden Tage! Radtag 2 (3.10.) und Radtag 3 (4.10.), die ich nachträglich geschrieben habe.

Wer die Tour nochmal aus Harry’s Sicht lesen möchte : https://harryradelt.blog/

Nicht mehr allahn

2.10.2019 Lützel bis Marburg an der Lahn 81 km

Die Solotour ist heute vorbei. Harry ist seit den frühen Morgenstunden im Zug und ich erwarte ihn dann um 9:30 in Hilchenbach. Um 7 Uhr klingelt mein Wecker und um 8 Uhr stehen die Taschen zur Abfahrt vor dem Ferienhaus Broche. Herr Kunze hört mich und ist auch schon zum kurzen Plausch und Verabschiedung zur Stelle. Draussen ist es feucht-kalt und 8 Grad. Ich ziehe die Handschuhe an, als ich die gut 2 km nach Hilchenbach zurückrolle. Am Bahnhof ziehe ich mir erstmal die Karte nach Lützel und sehe schon viele Wartende. Ein Zug hat Verspätung. Ich schau aufs Handy, da ist die SMS von Harry, er hätte schon mehr als 1 Stunde Verspätung. Dann hab ich jetzt Masse Zeit, um noch was einzukaufen für den Feiertag und um zu frühstücken in dem Cafe bei REWE. Dort genehmige ich mir ein Guten-Morgen-Frühstück mit dem ganzen Programm (leider ohne Ei). Dafür brauche ich schon mindestens 45 Minuten und genug zu Gucken ist auch da. Mein Rad draussen an der Hauswand in Sichtweite.

10:35 Uhr Gleis2 rollt er ein und in dem kleinen Zug sehe ich Harry sofort.

Ich steige ein und wir begrüssen uns als wenn wir uns schon länger kennen. Nach 15 Minuten sind wir in Lützel und die Tour beginnt – auf dem Rad.

Erstmal steuern wir die 3 Quellen der Eder, der Sieg und der Lahn an. Es geht in ein Waldgebiet mit mächtigen Wellen.

Asphalt, Schotter – alles dabei. Landschaftlich wunderbar und ruhig abseits der grossen Strassen.

Das Wetter spielt auch mit. Es ist zwar kühl, aber meist trocken und sogar sonnig. Einmal warten wir einen Schauer unter einem Carport ab. Ach ja, die Quellen: eher unspektakulär. Entweder kaum zu erkennen als Quelle oder ein Teich wie bei der Lahnquelle. Gehört aber halt dazu.

Der Tag ist fast nur Radfahren und nebenbei filmen. Youtuber unterwegs. Schöne Motive gibt es genug am Wegesrand. Schlösser oder Burgen, die Lahn und manch schönes Haus.

Fast 82 km sind es zudem, so dass ein Trödeln auch nicht ratsam ist. Der Campingplatz bei Marburg soll es ja sein und an guten Tagen kann man auch schön lange radfahren. Die Pausen halten wir knapp, aber lobend zu erwähnen ist der Stop an einem kleinen Laden, der sonst Mittwochnachmittags geschlossen hat. Wegen des morgigen Feiertages ist er geöffnet. Viel los ist trotzdem nicht. Wir haben den Eindruck, dass die Frau sich über die 2 bunten Radfahrer gefreut hat. Und günstig sind die Preise da auch.

Der Marburger Campingplatz hat einen Schönheitsfehler: es gibt kein Bier zu kaufen dort. Man stelle sich vor: da fahren 2 Männer, die sich kaum kennen, zum ersten Mal zelten und haben kein Zeltaufbau-Bier. Das nächste Mal beugen wir dem Desaster vor. Tanke oder Imbiss, irgendwas wird schon geöffnet sein. Aber vielleicht hat der Platz in Wetzlar ja auch einen Kiosk. Ist ja nicht zuviel verlangt.

Schnell bauen wir die Zelte auf und nutzen einen Unterstand mit Bierzeltgarnitur zum Kochen. Es dämmert schon. Das Duschen haben wir schon auf den nächsten Morgen verschoben. Die Zeltwiese liegt übrigens am letzten Ende des Campingplatzes und die Waschräume weit weg. Harrys Trangia brutzelt Frühstücksfleisch mit Nudeln, meiner Thunfisch mit Nudeln. Auf unseren 1. Radtag stossen wir mit Rotwein an. Cheers!

chronologisch gehts weiter mit „Der 2. Radtag Marburg bis Wetzlar“ https://bikexxs.wordpress.com/2019/10/09/der-2-radtag-marburg-bis-wetzlar/

Ein Bonn-bon Tag

Die. 1.10.2019 Remagen bis Hennef (Sieg) 31 km, weiter per Zug bis Hilchenbach-Vormwald

Die erste Nacht im Zelt ist immer etwas unruhiger. Ich höre alle möglichen Verkehrsmittel wie Rheinschiffe, Güterzüge und Flugzeuge. Schlecht isoliert so ein Zelt. Gefühlt sind alle Radtaschen offen und durcheinander. Das Zelt würde 2 Personen wie mich mit Gepäck nie fassen. Und Wohnen? So? In der Nähe lebt ein junger Mann wohl im Zelt, weil er noch keine Wohnung in Bonn gefunden hat. Zuerst kam er mir wie ein Radreisender vor, aber so kann man sich täuschen.
Ich bin zwar um 7:25 aufgewacht, aber trotzdem erst 10:15 auf dem Rheinradweg. Wie kommts? Heute hab ich meinen „Ruhetag“ als Bonbon sozusagen. Nur gut 30 km und dann mit dem Zug weiter. So kann ich in aller Ruhe im Trockenen das Zelt abbauen und die Taschen sortieren und packen. Außerdem schleppe ich eine Outdoor- Kaffeetüte mit mir herum, die ich heute mal ausprobiere. Dazu packe ich extra den Trangia wieder aus und koche Wasser. Der so zubereitete Filterkaffee schmeckt sehr gut und mit der Tasse gehe ich noch kurz an das Rheinufer. Das benachbarte Camper-Pärchen meditiert derweil oder absolviert das morgendliche Yoga-Programm. Täte meinem steifen Kreuz auch ganz gut, wenn man so sieht, wie ich mich morgens aus dem Zelt quäle. Was mir noch fehlt ist eine Yogamatte.

Ich bin von dem kurzen Stück Rheinradweg bis Bonn wirklich begeistert. Leider setzt irgendwann der Regen ein und ich kann die Idylle gar nicht so schätzen. Im Trockenen fahre ich aber noch an dem Drachenfels vorbei und dem Grandhotel Petersberg auf der anderen Rheinseite. Königswinter ist auch noch schön. Links oberhalb des Radweges plötzlich prachtvolle Villen und Nobelappartements. Bonn ist nicht mehr weit. Mein Magen hängt aber mittlerweile in der Kniekehle und ich freue mich auf ein leckeres Baguette oder Brötchen Das gibt es erst im Stadtzentrum von Bonn am Beethoven-Denkmal.

Da stoppt der Regen auch mal zwischendurch und ich setze mich beim Bäcker zum Essen gemütlich hin. Ein fettes Burgerbrötchen mit Remoulade nehm ich noch mit. Für das 2. Frühstück!
Der Weg aus Bonn heraus geht über die Kennedybrücke gen Bonn-Beul und Sankt Augustin. Mal durch Wohngebiete, mal an der Hauptstrasse, aber immer Radwege. Und flach. Ich wundere mich trotzdem, dass ich nicht wirklich Kraft habe. Der Ruhetag kommt wie gelegen.

Hennef ist auch kein Ort zum Verlieben, aber der Bahnhof ist modern und übersichtlich. Zudem bekommt man z.B. auch eine Cola beim Bäcker oder Döner, McD. etc. Das Zugticket nach Hilchenbach kostet mit Rad knapp 30 Euro. Erst mit Regionalzug bis Siegen und dann mit Schüler-Bummel-Regionalzug noch 30 Minuten im Stehen und Rad jonglieren. Immerhin brauche ich das Rad in Siegen nicht auf den Bahnsteig schleppen. Für seine weiten Umstiegswege war Siegen wohl früher mal berühmt. Die Züge fahren übrigens durch schöne Landschaften und die Sieg ist oft zu sehen. Wir kurbeln uns auch auf über 360 HM hoch und der Regen klatscht oft ans Zugfenster. Echt ungemütlich.
In Hilchenbach regnet es auch. Etwa 4 km sind es noch bis zu meiner vorgebuchten Unterkunft in Vormwald. Zuerst biege ich aber noch rechts ab zum REWE und kaufe Pesto und Wein fürs Abendessen ein. Gute Entscheidung, denn es geht zur Ferienwohnung leicht bergauf. Vergleichbar ist die Gegend mit dem Harz. E-Biker kann man hier absolut verstehen. Auf einer Wiese grasen Schafe vor dem Grundstück und ich scheine merkwürdig auszusehen als ich stoppe, um zu filmen. Die Herde nimmt galoppierend Schutzabstand. Hinterher merke ich, dass ich das gar nicht auf Film habe.
Das Rentner- Ehepaar Kunze begrüsst mich wie erwartet freundlich und mit Interesse. Warum ich denn nicht anders gefahren wäre? Herr Kunze hat mich unterwegs wohl schon gesehen und sich über meine Route gewundert. Das Rad kann in die Garage, wo auch sein Ebike, ein Roller und der Kleinwagen (nicht SUV) steht. Er wäre gar nicht so froh über das elektrische Bike. Die Wartungskosten überträfen die des PKWs inzwischen. Verschleiß ist gar kein Ausdruck. Oder Montagsmodell? Ich hoffe mein Stevens ist resistent gegen diesen Virus. Es steht direkt daneben.
Stolz präsentieren die Beiden mir ihre akkurate und perfekt eingerichtete Ferienwohnung. Die Bewertungen haben also nicht übertrieben. An einer Wand im Flur hängt eine Weltkarte, wo die Länder der Gäste mit Nadeln markiert sind. Mexiko, China und Weissrussland sind dabei. Die Beiden machen das nicht nur wegen des Geldes, das spürt man. Und die Wohnung ist saugemütlich. Erst recht bei Nieselregen.

Blick aus dem Fenster

Der Plan für morgen früh ist nun auch geschmiedet. Ich fahre mit Gepäck nach Hilchenbach hinunter und nehme dann um 9:30 den Zug nach Lützel. Über 200 Höhenmeter auf gut 4 km sind morgens mit kalten Muskeln nicht zu empfehlen und es stehen ja auch noch 70 km nach Marburg auf dem Programm. Ihr merkt, mir ist es wichtiger Spass zu haben, als irgendetwas zu beweisen. Vielleicht treffe ich Harry schon im Bummelzug (so groß ist der gar nicht) und dann kann der Lahn Radweg kommen. See you tomorrow

Das haben Sie sich ja so ausgesucht

30.09.2019 Hasenfeld – Remagen 72 km

4:36 reine Fahrzeit, 532 HM

Es verspricht ein schöner Herbsttag zu werden. Der Regen ist fort und nur ein wenig Wind und Wolken noch. Um 8:30 geh ich frühstücken. Es waren doch noch 3 andere Männer in der Pension. 2 Wanderer und ein älterer Mann, der bei mir am Tisch platziert wurde. Kaffeekannen und Brötchen stehen auf dem Tisch, der Rest ist als Buffet gedacht. Mein Nachbar schien zuerst nicht besonders gesprächig. Doch irgendwann kommen wir ins Gespräch. Er scheint über 60 zu sein und hat graue längere Haare, trägt eine Brille. Zuerst denke ich, er wäre Holländer. Er wäre Amerikaner und lebe schon lange in Deutschland, sagt er. In seinem Van hätte er 170 Flaschen deutschen Whisky aus einer Brennerei im Schwarzwald nach schottischer Art. Die wolle er einem niederländischen Partner verkaufen für die Gastronomie. Also Spiritousenbranche, früher mal amerikanischer Soldat bei Heidelberg. Und Autos sammelt er. Porsche Carrera hat er. Wertzuwachs. Hatte er mal in einer Scheune. Die war aber nicht versichert. Und nun hat er in die Scheune einen Bunker für 400000 Euro bauen lassen. Krass. Niemand sieht das von aussen. Die Scheune hat mal zum Tabak trocknen gedient. Er erzählt immer mehr. Ich komme nicht vom Tisch und es wird nach 10 Uhr, als ich die Pension verlasse.Aus Heimbach hinaus – der Ort ist übrigens auch sehr schön und romantisch- geht es für mich erstmal in den Wald und bergauf auf Waldwegen. Schieben, fahren, schieben….aber sehr ruhig. Niemand unterwegs am Montag morgen. Ich filme und stelle das Stativ mitten auf den Waldweg. Laufe zum Fahrrad und fahre bergauf der Cam entgegen…da kommt es auf einmal. Ein SUV fährt denselben Weg hinter mir her und ich hetze, um die Cam in Sicherheit zu bringen. Der Wagen hält neben mir und drinnen sitzt eine grünbekleidete Frau. „Alles in Ordnung?“ fragt sie mich und ich antworte „ Ja, ich mache hier gerade Filmaufnahmen“ . Sie wirkt etwas kritisch und ungläubig. Ich erkläre ihr, dass dies der Radweg D-Route7 sei und ich aber mehr schiebe als fahre den Berg hoch. Sie antwortet: „ Das haben Sie sich ja so ausgesucht!“ Als wenn Sie sich entschuldigen müsste. Dann öttelt ihr SUV weiter den Waldweg hoch und ich hab wieder meine Ruhe.Der Berg nach Heimbach ist noch ein Hindernis, aber dann gehts tendenziell bergab. Erstmal nur zögerlich, also immer noch Steigungen zwischendurch, dann schon lange bergab mit tüchtigem Rückenwind. Der Radweg wird langweilig, aber effektiv. Ich komme zügig voran. Kommern ist ein sehr romantischer Ort mit schnuckligen Häusern. Da kauf ich mir was beim Bäcker. Rheinbach und Meckenheim sind die nächsten grösseren Orte. Es geht bergab. Zwischen Meckenheim und Villip komme ich an einem frischen Verkehrsunfall vorbei. Das Auto ist auf die linke Strassenseite hinauf gefahren und an einem Baum gekracht. Der Airbag hat sich geöffnet und der Fahrer konnte nicht hinaus. Einige „Retter“ stehen nun um das Wrack herum, aber können den Fahrer nicht befreien. Ich fahre weiter und höre einige Minuten später etliche Martinshörner ertönen.
Wo übernachte ich denn heute? Das Wetter ist so stabil und mild, dass ich den Campingplatz Siebe gebirgsblick am Rheinufer bei Remagen ansteuere.Er ist tatsächlich auch offen und sehr schön am Rheinufer gelegen mit Blick auf Schloss Drachenburg und Ruine Drachenfels. Echt genial. Die Rezeption ist praktisch auch Theke für den öffentlichen Biergarten.Auf dem Platz sind noch ein anderes Zelt und ein großes Hauszelt mit Auto. Später errichtet noch eine Frau mit Auto ihr Wurfzelt kurz vor Sonnenuntergang. Ich trinke nach dem Duschen erstmal ein gezapftes Bitburger und koche mir dann am Zelt Nudeln mit Gulasch. Endlich zelten und ohne Regen. Hoffentlich bleibt das bis morgen so. Ein schöner Tag geht perfekt zu Ende.

Goodbye my love, goodbye

Tag 1 Aachen bis Heimbach/Hasenfelde 58 km
Die Anreise mit dem Zug ist diesmal sehr angenehm. Bettina begleitet mich mit meinem vollbeladenen Bike-Truck zum Bahnhof und der IC nach Köln steht schon am Gleis. In aller Ruhe kann ich den richtigen Wagen suchen und Fahrrad plus der 6 Taschen hineinbringen. Bei den neuen ICs haben die Wagen auch einzelne Fahrradplätze mit 1 Klappsitz, aber direkt gegenüber dem WC. Auch die Radtaschen hätten neben dem Rad noch Platz.

Nach der Verabschiedung von Bettina setze ich mich erstmal nicht auf meinen reservierten Platz im Oberdeck, sondern auf einen freien Platz unten. Ab Dortmund muss ich weichen und gehe nach oben. Der Zugbegleiter ist der Hit. Bettina fällt er schon auf dem Gleis in Hannover auf. Ob er sich die Fahrt nach Köln immer aussucht? Als er unseren Wagen kontrolliert, kommt da nicht so ein cooler strenger Bundesbahnschaffner, sondern ein kundenorientierter motivierter und äusserst kommunikativer Mensch, der aus jeder Ticketkontrolle ein Mini-Event macht. „Haben Sie sich schon auf die Fahrkartenkontrolle gefreut ?“ zum Beispiel beginnt er den Kontakt. Dabei trifft er im Abteil immer wieder den Nerv der Leute, die gleich gute Laune bekommen, speziell ein Ehepaar, das ihn wohl schon zum 2. Mal getroffen hat. Bei mir angekommen, lobt er meine vorbildliche Art wie ich das Fahrrad aufgehängt habe. Wir unterhalten uns kurz über die verschiedenen Fahrradstellmöglichkeiten in den Zügen. Eine sehr angenehme Erfahrung mit diesem Großkonzern. Köln ist Endstation und nach der Schlussdurchsage spielt er noch das Demis Roussos-Lied „Goodbye my love, goodbye“. ALLE müssen schmunzeln.
In Köln sollte ich eigentlich auf Gleis 5 einfahren und dann auf Gleis 9. Zum Glück fährt der IC auf Gleis 8 ein und ich steh dann goldrichtig. Ein verspäteter RE nach Aachen fährt wenige Minuten später ein und ich laufe zum Fahrradwagen, wo auch gerade ein Schaffner steht. Es klappt. Ich darf den Zug nehmen. Mit mir erkundigt sich auch eine junge Frau mit Rad danach und fährt mit. Wir unterhalten uns auf der 50 minütigen Fahrt über Radreisen und meine Erfahrungen. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Sie zieht wohl gerade von München nach Aachen. Das Rad ist nichts Besonderes und 2 prall gefüllte Packtaschen sowie ein Rucksack repräsentieren ihren ganzen Hausstand.
Ab 12:10 bin ich auf der Strecke. Es geht ziemlich schnell aus Aachen heraus und das Wetter ist nicht schlimm. Nieselregen und etwas Wind. Zuerst erinnert mich die Landschaft etwas an Südengland. Es gibt Ebenen und Hügel und Weiden mit Kühen. Und ich sehe wieder mal Esel, wie inzwischen auf jeder Reise. Die Videokamera ist mit dabei. Youtube braucht neuen Stoff.

Das Wetter wird immer besser. Es kommen Steigungen , Wälder und Steigungen in Wäldern. Mal Schotter, mal Asphalt. Am Strassenrand auf einem Stein setz ich mich hin und zieh die Regenhose aus. Die behindert schon leicht beim Bergauf-Fahren. Oben herum schwitze ich auch, aber daran verändere ich Nichts, um beim Abfahren nicht zu frieren. Die leichten Nieselattacken sind auszuhalten und der stürmische Wind kommt oft von hinten oder seitlich. Auf den Wegen sieht man fast nur Hundeleute, manchmal Mountainbiker und sonst nur Autos.

Nach dem Hauptberg komme ich Nideggen näher und dort fliesst die Rur. Es gibt einen Stausee und die D-Route 7 nutzt jetzt den RurtalRadweg. Der Charakter des Radweges ändert sich prompt. Es geht viel direkt am Fluss oder am Waldrand entlang. Der Naturpark Eifel ist erreicht. Auf einem Berg thront die Burg Nideggen.

Bis nach Heimbach führt mich die Rur. Dort kurbel ich noch bis in den Ortsteil Hasenfeld hoch, wo meine Pension Eifelblümchen ein kleines aber feines Einzelzimmer für mich hat. Das Rad kommt in die Garage und die Wirtin mit ihrer kleinen Tochter checkt mich ein. Sehr angenehm. 8:30 bekomme ich sogar Frühstück.
400 m entfernt ist ein traditioneller Gasthof. Da schaff ich es sogar noch nach dem Duschen hin. Es ist ein großer Raum unterteilt in den Thekenraum und dem eigentlichen Gastraum. Ein Lüster mit Glühlampen erzeugt ein muffiges ungemütliches Licht und von den 8 sauber gedeckten Tischen ist einer belegt. Ein älteres Ehepaar – er mit einem Glas Rotwein, sie mit einer Cola – warten scheinbar schon auf ihr warmes Abendessen. Am Tresen sitzen 5 Männer um ein Tablet und schauen das Spiel FCKöln gegen Hertha BSC Berlin. Nebenbei wird auch das Formel 1 Rennen und Ferrari diskutiert. Alles in kölnischem Akzent. 2 andere Männer sitzen in Thekennähe und geniessen ihren Abend ebenso. Die Kellnerin ist bestimmt schon Mitte 40 und ich kann einen leichten polnischen Zungenschlag erkennen. Sie bringt mir nach der Bestellung ein leckeres Bitburger und einen Gruß aus der Küche: Huhn-Curry-Salat mit etwas Brot, gar nicht schlecht für den Anfang. Das Schnitzel ist auch lecker, die Jägersauce okay und die Kroketten eben Kroketten. Interessant der Salatteller, den ich in einer solchen Größe nicht vermutet hätte. Mein Urteil: nicht knackig, aber trotzdem nicht schlecht, weil frische Note. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass manche sowas gar nicht mögen.

So gesättigt und getränkt, schleppe ich mich wieder in meine Herberge mit dem 12qm Zimmer und lege mich aufs Bett. Draussen tobt der Sturm und um 21:45 klatscht der Regen ans Fenster. Alles richtig gemacht. Nobody is perfect

Planänderung

9 Stunden vor der Abfahrt nach Aachen muss ich noch einen kurzen Eintrag machen. Wie alle wissen, zieht ab morgen der 1. Herbststurm Mortimer mit allerlei Regen über Deutschland hinweg. Meine Zelt-Solotour werde ich trotzdem nicht abblasen, sondern wieder mal weniger zelten als geplant. Auch wenn mich so eine Nacht mit Sturm im Zelt mal reizen würde, ich gebe zu, dass ich so ein Ereignis nicht gleich zu Beginn haben möchte. Und dann noch mit Ansage. Ich werde also radfahren und bis Dienstag in festen Unterkünften übernachten.

Warum nur bis Dienstag? Tja, da kommt nun die 2. Überraschung ins Spiel. Ich werde nur bis zum Rhein der D-Route 7 folgen, und dann ab Hennef (Sieg) mit der Bahn zum Startpunkt des Lahntalradweges in der Nähe von Hilchenbach-Lützel fahren. Am Mittwoch früh treffe ich am Bahnhof in Lützel dann den Youtuber Harry von „Harry radelt“ oder https://www.youtube.com/channel/UCnPAhJ6gy4XbXBNbgoj3-6w und werde mit ihm zusammen bis zum Samstag den Lahntalradweg fahren. Hoffentlich bei bestem Herbstwetter.

Pläne sind auch dazu da, sie mal umzuwerfen und zum Glück konnte ich spontan umplanen. Alles weitere erfahrt ihr (hoffentlich zeitnah) im täglichen Blog, der jetzt wieder los geht. Und wenn ihr ab Mittwoch nichts von mir hört, haben wir die abendlichen Trangia-Kochorgien lang und gemütlich genossen. Zur Erklärung für Nicht-Outdoorer: Trangia ist ein Spirituskocher.

Achja, es gibt wieder eine interessante Rückreise mit der DB über Bielefeld. Immerhin weiss ich schon, wo da der MCDonald ist.

Auflösung

Im „Tage-zählenden-Kalender-Fenster“ steht schon seit der Alpen-Seen-Tour als kommendes Projekt „Überraschung“. Inzwischen ist auch uns schon lange klar, was wir Anfang Oktober nun machen werden. Nur bisher hat die Zeit gefehlt, es hier mal kund zu tun.
Da wir davon ausgegangen sind, dass wir nur eine Woche zusammen Urlaub haben werden, gibt es jetzt folgende Planung: In der Woche vom 29.9. bis 5.10. werde ich (Fred) nochmal eine Solo-Radtour mit Zelt machen (wenn das Wetter es zulässt). Die anschliessende Woche vom 7.10. bis 14.10. wollen wir gemeinsam in den noch warmen sonnigen Süden fliegen und dort nicht radfahren, sondern nur Sonne, Meer und Strand geniessen. Eine Radtour  ist natürlich nicht gänzlich ausgeschlossen, wenn wir die entsprechenden Bikes finden. Nicht ganz so einfach an der türkischen Riviera.
Die Radreise mit Zelt soll in Aachen starten. Sonntag mittag komme ich dort mit dem Zug an (hoffentlich) und begebe mich dann sogleich auf die D-Route7, auch Pilgerroute genannt.
Strecke

Der Start wird etwas hügelig, aber die restliche Route soll relativ flach verlaufen und mein Ziel wäre dann Münster (420 km) oder sogar Osnabrück (490 km). Eine ziemlich lange Strecke geht es am Rhein entlang und ich möchte diesmal on tour spontan entscheiden, wielange ich fahre und wo ich dann übernachte. Alles ist möglich und ich betrachte das auch nochmal als „Training“ für meine 3-Monatsreise im nächsten Jahr.
Nur bei wirklich schlechtem Wetter gibt es diesmal wieder einen PlanB.
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Eine kleine Zelttour übers Wochenende habe ich im August noch gemacht. In der Nähe von Hannover liegt der kleine Tannenbruchsee mit angeschlossenem Campingplatz. Dort war ich der Einzige mit Zelt und es hat bei sommerlichen Temperaturen richtig Spass gemacht. Natürlich gab es wieder Nudeln mit Gulasch auf dem Trangia, lecker.
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Als Isomatte werde ich die Klymit Insulated Static Vlite erstmal weiter mitnehmen und nochmal „testen“, weil sie ein unschlagbares Packmass hat. Vor kurzem habe ich eine ThermaRest-Matte (ProLite plus) bestellt, aber das war Nichts – viel zu groß im Packsack.
Auf Reise soll jetzt unbedingt ein Campingstuhl mit, denn am Tannenbruchsee war dieser sehr nützlich und bequem. Nach der nächsten Zelttour werde ich mal die Ausrüstung hier vorstellen.
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Ach ja, unsere Reiseräder kann ich jetzt selbst  warten und reparieren – jedenfalls einige Dinge. Der hiesige ADFC bot einen Fahrradtechnik-Kurs an 2 Abenden an und ich bin begeistert, wie einfach doch so eine Kette oder ein Zahnkranz zu wechseln ist. Das Werkzeug liegt schon bereit und bald werde ich das frisch erworbene Wissen in die Tat umsetzen.
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Bleibt uns nur noch „Cheers“ und “ See you“ zu sagen. Auf Youtube machen unsere ersten 3 Teile (Stand 2.9.19) der Alpen-Seen-Tour 2019 etwas Furore und wir freuen uns über ganz viele neue Abonnenten. Herzlich Willkommen, wenn ihr auch hier lest.
Alpen-Seen Tour Teil 1
Alpen-Seen Tour Teil 2
Alpen-Seen Tour Teil 3

 

Reisen mit und ohne Fahrrad