Blauer Montag

29. Juni 2020 z. Zt. in Königsbronn

Ich sitze hier gerade vor dem Zelt und sehe den 4ten oder 5ten Regenbogen der Reise. Heute morgen wusste ich noch nicht, wo ich heute abend campiere. Ich bin bei trübem Tröpfelwetter von der Pension in Ehingen los und Richtung Blaubeuren gefahren. Der Magen prall gefüllt vom Buffet des Gasthofes. Mein erstes Ziel auf dieser offiziellen Nebenstrecke des Donauradweges ist der „Blautopf“.

Eine sogenannte Karstquelle, die aus großer Tiefe sehr viel Wasser frei gibt und den Fluß Blau bildet. Die Quelle ist wie ein großer Teich und das glasklare Wasser schimmert in herrlichen Blautönen. Ein Rundweg ist für die Besucher ausgeschildert.

Blautopf

Der Abstecher hat sich wirklich gelohnt. Dort treffe ich ein Paar wieder, mit dem ich mich an der Donauversinkerung schon unterhalten habe. Überhaupt kann ich über Einsamkeit oder Heimweh gar nicht klagen. Ein Gespräch ist immer irgendwo möglich, wenn man den Anstoss gibt und offen ist. Ab und zu habe ich in dieser Gegend hier allerdings schon Schwierigkeiten mit dem Dialekt. Ich muss oft nochmal nachfragen und dann sprechen die Leute betont deutlich.Ein Paar aus München, neben denen ich in Hausen gezeltet habe (Peter und Barbara), waren wohl kurz vor mir am Blautopf, wie mir das andere Paar erzählt. Von denen hatte ich übrigens den Tipp bekommen. Zum Glück, denn sonst wäre ich bestimmt die Hauptstrecke gefahren. Das Tal der Blau erinnert mich auch wieder an den wunderschönen 1. Tag an der Donau zwischen Donauesching und Hausen, wo herrliche Felswände das Tal einengen. Bis Ulm ist der Donauradweg für mich eine klare Empfehlung.

Zwischen Blaubeuren und Ulm

Schon vor Ulm war ich am Überlegen und Recherchieren, wo ich wohl mein Zelt aufschlagen könnte. Die Kanufreunde in Ulm haben ein Zeltplatz, waren aber nicht zu erreichen. Ein Zimmer wollte ich eigentlich nicht schon wieder. Also fasste ich den Entschluss, von Ulm aus gleich weiter mit dem Zug nach Aalen durchzustarten. Dort wollte ich den Kocher- Jagst-Radweg beginnen. Fahrradmitnahme ist in BaWü. übrigens kostenlos und ich sitze um 15:11 schon im RE nach Aalen. Dort habe ich noch über 1 Stunde Zeit, das Tagesziel herauszufinden. Mittels Google klappt es dann tatsächlich. Ein winziger Campingplatz südlich von Aalen ist telefonisch erreichbar und nimmt Zelte auf. Minicamping Königsbronn. Königsbronn ist auch eine Haltestelle unterwegs. Ein Mann mit Fahrrad, der zustieg, riet mir, schon eine Station vorher am Itzelberger See auszusteigen. Das tat ich auch und habe somit auch noch dieses Naherholungsgebiet mit eigenen Augen gesehen. Nur 2 km weiter lag mein Campingplatz, den eine Rentnerin namens Gabi betreibt. Direkt vor ihrem Haus ist eine Wiese mit 2 großen Eichen. Das Sanitärgebäude ist alt und funktional. Einige Dauercamper stehen am Grundstücksrand. Die Rezeption bzw. das Büro ist in Gabis Haus. Die Preise decken die Unkosten, für mich der billigste Platz auf der Reise. 6,50 incl. einmal warm duschen. Na gut, das Grundstück ist nicht abgeschlossen, aber in dem kleinen Ort fühlt man sich sicher und ich hänge auch bedenkenlos meine Navi-Akkus in der Toilette an den Strom.

Mini Camping Königsbronn

⁷Nachdem ich mich etwas ausgeruht habe, mache ich noch einen Gang durchs Dorf. Es soll auch eine Karstquelle geben, den Brenzursprung oder Brenztopf. Auch wieder glasklares Wasser aus der Tiefe schön eingezäunt mit malerischen Felsen im Hintergrund. Auf einem solchen Felsen hat man einen schönen Überblick über Königsbronn und auf den Topf.

Brenztopf

Hier war auch früher eine große Eisenhütte und der Antifaschist Georg Elser ist ein Sohn der Stadt. Georg Elsers Geschichte vom Hitlerattentat habe ich bei Wikipedia verschlungen wie einen Krimi. Schaut mal nach. Wenn Hitler nicht 13 Minuten zu früh den Saal verlassen hätte, wer weiss, was heute wäre ?
Ein Glücksfall für mich, dass ich hier heute gelandet bin und die Regentropfen am Abend haben wenigstens für einen farbenfrohen Abendhimmel gesorgt. Man musd immer das Positive sehen.

Burg Eltz

So. 21.06.20 zur Zeit Riegel am Kaiserstuhl

Heute habe ich die 1500 km Grenze überfahren. Ich bin an einem Campingplatz mit Badesee in Baden und habe den ersten richtigen Sommertag. Es war so warm, dass ich statt Dusche im See geschwommen bin. Der längste Tag und zugleich schönste Tag.

Die Fahrt an der Mosel hat mir besser gefallen, als am Rhein. Ich mag jetzt sowieso eher die kleineren Flüsse, weil die Wege oft romantischer sind. Der schöne Teil des oberen Mittelrheins – auch UNESCO Kulturerbe- hat schon seinen Reiz, aber das Wetter hat nicht gepasst.

Ich möchte heute eine kleine Episode von der Mosel berichten:

Mein Abstecher zur Burg Eltz am 12. Juni

Zwischen Cochem und Koblenz hatte ich gutes Wetter und ein anderer Radler beim Frühstück auf dem Campingplatz erzählte mir, dass er sich noch die Burg Eltz anschauen wollte. Das fand ich spannend und ich recherchierte gleich das Wie und Wo ? In Müden wich ich vom Radweg ab und es ging gleich gut hoch in die Weinberge. Ich sehe wie 2 Männer an den Reben schnippeln und halte an, um mich schlau zu machen. Der Winzer und sein Saisonhelfer aus einem Work&Travelprogramm beantworteten geduldig meine Fragen zur Weinbergpflege und Lese. Ausserdem bekam ich noch eine kompetente Wegbeschreibung. Kilometerlang schob oder schlich ich immer höher. Oben war eine Hochebene und ich steuerte einen Wanderparkplatz an. Ja WANDERN. Von dort führte kein kurzer Radweg zur Burg, sondern ein unwegsamer Wanderweg von 1,6 km zur Burg und zwar bergab durch den Wald. So schob ich fest entschlossen mein vollbeladenes Rad gen Burg Eltz. Etwa 20 Minuten später mündete noch ein anderer Waldweg ein und immer mehr Leute strömten zum erhofften Burgereignis. Ich kam bis zu einer Brücke und einem Bach, wo viele Menschen mit Kindern im Wasser planschten. Von dort kam man nur mit Treppen aufwärts und hoch oben war eine Burgauffahrt, auf der schon eine Menschenschlange auf Einlass wartete. Ich stellte das Rad dort unten ab und stieg kurz für ein paar Fotos und Videos hinauf. 150 Personen durften max. auf das Gelände.

Ich trat ernüchtert den ungewissen Rückweg an. Mir war klar, dass ich denselben Weg nicht zurück wollte, weil dieser bergauf eine enorme Strapaze bedeuten würde. Die Alternative war eher flach und sollte auch nicht länger sein. Es war nicht wirklich einfach wegen der anderen Wanderer, die sich an dem Rad vorbeiquetschen mussten oder mich vorbei lassen. Zum Schluss kamen auch noch Stufen, die ich aber bergab bewältigen konnte. Als ich wieder Asphalt unter den Rädern hatte, war ich heilfroh und die Mosel nicht mehr weit. Fazit: Wanderung ist schön dorthin, aber ohne Rad. Mit Rad nur die Autozufahrt nutzen oder gleich per Bus.

Wort vom Rhein

Hallo liebe Blogleser*,
Vor Cochem bin ich mit dem Bloggen nicht mehr weitergekommen. Es gibt mehrere Gründe, warum ich nicht mehr weiter schrieb. Die Tage sind meist schon so voll gepackt. Das Zelten, selber kochen und noch Fahrradfahren ist nicht mit Langeweile gesegnet. Das Wetter und seine Launen machen es nicht einfacher. Die 1. Woche war durchgeplant. Jetzt plane ich von Tag zu Tag , von Ort zu Ort, Camping oder Zimmer je nach Wetterlage oder Verfügbarkeit. Oft habe ich abends auf den Plätzen schon Leute kennengelernt und natürlich dabei auch nicht an Blog schreiben gedacht. Dazu kommen noch Telefongespräche mit Bettina und andere private Chats. Also insgesamt ist die Zeit ausgefüllt und ich überlege schon immer, wie ich das hier weiter machen soll. Man riet mir auch schon, es dann lieber bleiben zu lassen und meine Zeit zu geniessen. Auch für mich ist das eigentlich schade, da ich viele Details dann vergessen werde. Ich setze mich aber nicht mehr unter Druck und schreibe nur noch, wenn ich wirklich Lust und Zeit habe. Jetzt erst habe ich das Stadium, was ich sonst noch nie hatte. Ich bin länger als 3 Wochen unterwegs.
Heute bin ich 35 km nördlich von Strassburg und habe 1350 km hinter mir. Fulda, Kinzig, etwas Main, etwas Rhein, etwas Nahe, Glan-Blies- Radweg bis Saarbrücken, Saar-Radweg, Mosel-Radweg und nun den Rhein hinauf. Bis zum Bodensee will ich erstmal. Morgen Kehl mit Strassburg, dann Offenburg, Breisach, Lörrach…
Vielen Dank schon mal den treuen Lesern wie Bettina, Natascha, Tatjana, Michael, Anja, Meike, Falke-Horys, Thomas, Axel,Harry, Erika, Petra, Karen und wen ich jetzt noch unentschuldbar vergessen habe.
Auf jeden Fall filme ich ab und zu unterwegs und spreche einige Ereignisse in die Cam. Also ist noch nicht Alles verloren. Nun wisst ihr erstmal Bescheid. Apropos Wetter: Ja, es ist ab und zu nicht leicht gewesen diese trüben und regnerischen Tage zu ertragen, aber am Horizont wird es heller. Ich hab mich selbst schon den „ Regenmacher“ getauft.

Und ganz zum Schluss: Die Werbung von WORDPRESS kann ich nicht beeinflussen, aber mit einem Upgrade ausschalten. Das habe ich noch nicht gemacht, obwohl ich es versprochen hatte.

Schloss Karlsruhe

Der burgreiche Fluss

9.Juni 2020 Wasserbillig – Bernkastel Kues 92 km
Da ich erst um 10 Uhr auschecken konnte, fuhr ich vorher noch zum Bäcker frühstücken. Ein edler Bäcker in Luxemburg, das schlug zu Buche, aber die Brötchen waren lecker. Der Moselradweg und eine lange Etappe brauchten Energie.

Fähre über die Mosel
Ja, die Mosel. Traum aller Radfahrer, aber ich war die ersten Kilometer völlig enttäuscht. Rund um Trier war da nix, was mir Spass gemacht hat. Schlechter Belag, viel Verkehrslärm, schliesslich noch der Industriehafen, durch den der Radweg führt. Hinter Schweich wurde es dann so, wie man es sich vorstellt. Weinberge, weniger Strasse oder Verkehr und eine sich schlängelnde Mosel.Ich hatte mich dann nur in der Etappenlänge verschätzt und es dauerte schon ziemlich lange bis irgendwann mal überhaupt Bernkastel angezeigt wurde. Mittlerweile trübte sich auch das Wetter ein. Fast unerwartet begann es zu regnen. Unter einer Brücke trafen sich mehrere Radler und ich unterhielt mich mit 2 unmotorisierten Rentnern über die Reisepläne. Eine Zwangspause, die sehr unterhaltsam verlief. Der Regen ebbte ab und ich konnte ohne Regenzeug weiter. Die Regenjacke hatte ich wegen der Temperaturen sowieso an. Es zog sich. Um mind. 20 km habe ich mich verschätzt. In Bernkastel wollte ich mich noch mit Getränken eindecken. Da kam der nächste Schauer. 4 km hinter der Stadt lag der Campingplatz Schenk. Ich checkte ein beim sympathischen Chef ein und suchte meinen Platz auf. Nebenan ein Wildgehege mit zutraulichen Rehen. Es tröpfelte immer noch. Zögerlich baute ich das Zelt auf und war überrascht, als mich die Familie nebenan zum Essen einlud. Thomas, der Sohn Albert und – ich nenn sie mal Daja – haben Mitleid mit mir und denken ich bräuchte jetzt was Warmes. Treffer! Schon sitze ich an ihrem Tisch mit meinem Trangiatopf und bekomme leckeren Reis mit Curryhuhn. Super viel Dank nochmal, wenn ihr das lesen solltet. Wir haben uns auch gut unterhalten, aber der Inhalt bleibt unter uns!10. Juni 2020 Bernkastel Kues – Kröv 20 km
Ruhetag sozusagen. Der 90km- Etappe geschuldet und dem schlechten Wetter. Ich kann endlich mal ohne Aufwand morgens am Zelt Kaffee trinken, weil Thomas schon heisses Wasser brutzelt. Mir ist der Aufwand immer noch zu heftig, zumal ich ja noch zum Bäcker muss, um zu essen. Ganz gemütlich zockel ich zum nahegelegenen REWE und dem dortigen Bäcker. Bei der Fahrt zurück nach Bernkastel werde ich fast von einem PKW erfasst, weil ich rechts vor links missachte. Glücksengel hat geholfen. Mir war aber auch unklar, warum diese Strasse keine Vorfahrtsstrasse war.Bernkastel ist zwar schön, aber natürlich ist am zentralen Marktplatz ein Gebäude eingerüstet und zerstört so das ganze Bild. Was gibt es sonst noch zu sehen? Ich sehe ein Hinweisschild zur Burgruine Landshut. Auf Google Maps nur 900 m. Nix wie hin. Ich komme sogar an einem Wasserfall vorbei. Schiebe das Rad über einen Waldweg und bin plötzlich da. Eine sagenhafte Aussicht wieder.Geschwind geht’s den Berg wieder runter und gemütlich an der Mosel Richtung Traben. Es sind nur 18 km bis zum Campingplatz Wolf. Die Dame an der Rezeption gibt mir einen Platz direkt an der Mosel. Am steil aufragenden Weinberg gegenüber steht in weissen Lettern „Kröver Nacktarsch“. Wohl der beste Spot bisher und die langen Frachtschiffe tuckern regelmässig an mir vorbei. Ich baue auf und mache mich fertig für Traben Trarbach.Ich brauche nicht lange für die 5 km ohne Gepäck. In einer Eisdiele besorge ich mir was gegen Unterzuckerung. Traben hat auch eine Burgruine, Ruine Grevenburg. Diese Höhe erklimme ich auch noch. Das Rad schliesse ich unten an. Der Pfad ist idyllisch, geht mitten durch die Weinberge und fast niemand ist unterwegs. Oben gibt es eine Gaststätte, die zur Zeit geschlossen ist.Der Stadtteil auf der anderen Moselseite ist größer und ich finde sogar einen Dönerladen. Der Bäcker für den nächsten Tag, und zwar Feiertag „Fronleichnam“ ist auch gesichert. Bleibt noch ein gemütlicher Abend auf der Bank neben meinem Zelt am Fluss.
Pension mit Corona-Puppe

Saar-Radweg

Hallo Freunde, ich bin gesund und munter, aber habe wenig Zeit zum bloggen. Ich versuche, es wieder aufzuholen. Es ist viel los jeden Tag und das Zelten kostet Zeit und ist aufwendig. Dazu kommt das unbeständige Wetter. Also seht es mir nach und hier nun weiter:7. Juni 2020 Saarbrücken – Merzig 851 kmFahhradfahren ist wieder angesagt. Beim Frühstück in der Jugendherberge habe ich wieder ein aha-Erlebnis und habe mich hinterher über mich selbst geärgert. Ich steuere meinen zugeteilten Sitzplatz im Saal an und schaue kurz auf meinen Tischnachbarn am Kopfende. In wenigen Sekunden habe ich ihn vom Äusseren her in eine Schublade gesteckt. Ich glaube, dass es an dem Baseball Cap lag, dass ich ihn sofort auf „no contact“ setzte. Ich kaute so vor mich hin, als der etwa 30- jährige Bursche plötzlich etwas in den Raum wirft wie „ das ist doch echt ganz schön krass, dass hier so wenig los ist“. Die Frau am Nachbartisch stimmt ihm sofort zu und es beginnt eine kleine Diskussion über die Coronazeit. Ich bin auch erfreut über das „ gebrochene Eis“ und dass die Schublade Baseball Cap bei mir ab sofort gestrichen wird. Es kommt zu einem überaus interessanten Gespräch, wo ich in wenigen Minuten erfahre, dass der junge Stukkateur auch Weltenbummler ist, Neuseeland mag, bald nach Kanada möchte und heute noch einen Freund in Luxemburg besuchen möchte, nach dem Fitnesstudio. Ich schaue auf die Uhr und muss unseren Plausch leider etwas abwürgen.
9:30 JH Check out. Ich öle einfach mal die Kette. Erstes Ziel ist der Tipp vom Museumsmenschen gestern: die Völklinger Hütte. UNESCO-Weltkulturerbe und ein Teil der Geschichte des Saarlandes. Ich komme an und bin erfreut, dass es wohl Fahrradgaragen zum Unterstellen gibt. Die Besichtigung dauert 2-3 Stunden. Für einen Pfand von 10 Euro bekommt man einen Schlüssel und kann sein vollbepacktes Rad in eine Box schieben. Perfekte Lösung. Mein zweites Glück: Heute ist Eintritt gratis, weil Welterbetag. Bingo !
Die Eisenhütte ist kaum zu beschreiben. Ein gigantischer Industriekomplex, der noch so belassen wurde, wie vor 30 Jahren. Unglaublich riesige Maschinen, Röhren, Schornsteine…. Es wird versucht, mit einem Rundgang den Fertigungsprozess zu beschreiben. Dazwischen wird der Industriekomplex als Kunstgalerie genutzt. Afrikanische Fotos oder antike Fundstücke sowie Street Art findet dort seinen Platz in dem an Lost Places erinnernden Industrieruinen. Die Pflanzen sind schon länger dabei, sich Raum zu schaffen.

Mein Tagesziel ist ein Campingplatz in Merzig. Die Rezeption ist wie so oft gleichzeitig Treffpunkt für Dauercamper. Es stehen mehrere Bitburger auf dem Tisch vor dem Büro.

Ein hagerer Mann und eine Frau sitzen rauchend da und der Platzwart kocht gerade Kaffee im Büro. Ich begrüße ihn und frage gleich nach der Maske, aber er lacht nur und so war das Thema erledigt. Natürlich hängen überall Schilder „Maskenpflicht“. Der Platz kostet incl. Bitburger 0,3 mit Duschen 9 Euro. Ich setze mich noch draussen zu den Anderen und halte etwas Smalltalk bzw. erzähle von meiner Tour. Die Zeltwiese liegt gleich am Grundstückszaun und ist ungesichert vor Passanten. Aber ich bleibe trotz Alternativangebot dort, weil es sonnig ist und guter Rasen. Ich dusche, koche und leg mich früh hin.Mo. 8. Juni 2020 Merzig – Wasserbillig (Mosel)Morgens ist es noch ziemlich kalt. Bevor ich zusammenpacke fahre ich zum Kaufland, um ein paar Dinge zu holen und frühstücke dort gleich. Der Supermarkt ist riesig und völlig ungeordnet. Der kleine Netto oder LIDL spart dann doch Zeit beim Suchen. Vor der Rezeption sitzen schon wieder Leute und Bitburgerflaschen sind auch frisch geöffnet. Mein Abschiedsruf wird lautstark erwidert. Sympathische Community.
Die berühmte Saarschleife erreiche ich schon nach wenigen Kilometern. Dabei fällt mir ein, dass ich mir gar keine Gedanken über „innere“ oder „äussere“ Schleife gemacht habe. Je länger ich aussen fahre, umso mehr habe ich das Gefühl, dass es innen schöner sein könnte. Vor mir taucht der Baumwipfelpfad ganz oben auf und ich freunde mich mit der Idee an, dort den Chloe-Pfad hinauf zu kraxeln.

Der Einstieg ist unscheinbar und ich schiebe mein beladenes Rad die Böschung etwas hoch, um es dort optisch geschützt anzuschliessen. Mit der geschulterten Lenkertasche steige ich den urigen Pfad in gutem Tempo nach oben. 30 Minuten später habe ich einen fantastischen Blick über die Saarschleife und bin froh, das gemacht zu haben. Den 7 Euro teuren Baumwipfelpfad schenke ich mir auch aus Zeitgründen.

Die Saarschleife

Unten wieder am Rad nach gut 1 Stunde entschied ich mich dafür, nochmal bis zur Brücke zurückzufahren und dann doch den inneren Schleifenweg zu nehmen. Er ist sicher – im Nachhinein – idyllischer und ruhiger, aber auch vom Belag nicht asphaltiert. Trotzdem hat man schöne Ausblicke und ich hab es nicht bereut.
Hinter Mettlach ging es dann irgendwo etwas steiler zu einem Aussichtspunkt mit Kapelle. Dort stand schon ein vollbepacktes Fahrrad. Auf der Bank neben der Kapelle machte der Fahrer Pause. Ein junger Mann rauchte eine Zigarette und wir kamen ins Gespräch. Sein Weg geht in Richtung Bodensee, aber direkter als meiner. Er berichtet von einem Problem mit dem Hinterrad durch das massive Gepäck. In Trier wurde es noch morgens erst repariert. Die Pause wurde durch unseren Austausch ziemlich lang und nun sollte ich aber weiter. Zumal auch irgendeine schwierige Passage noch kommen sollte. Diese stellte sich aber als harmlose 200 m lange Schiebestrecke aus Sicherheitsgründen heraus. Nichts was Zeit kostete.
Die Saarmündung musste ich fotografisch natürlich festhalten. Wieder ein Grund für eine Pause. Die Mündung beider Flüsse kam mir wie ein See vor. Ein großer Stein und ein rostiges Schild weisen darauf trotzdem noch hin. 10 km noch bis zum Campingplatz. Ich muss die Mosel ein Stück hinauf fahren. Das letzte Stück sogar mittels Fähre nach Luxemburg noch meistern. Dann bin ich da. Auf eine Telefonnummer antwortet ein Mann: Ja, ich komme gleich zu Ihnen. In Arbeitsklamotten mit einem Fahrrad kam er auch schon 2 Minuten später angebraust. Er zeigt mir auf der riesigen Wiese mein Areal und wir verabredeten, dass ich morgen um 10 alles regeln sollte.
Ruckzuck bekam ich auch hier wieder Kontakt. Begrüssung reicht manchmal schon, um ein Gespräch zu haben. Ein junger Mann mit Bierdose in der Hand sprach mich aufs Zelten an. Er hätte jetzt ein Chalet hier auf dem Platz gemietet und bräuchte nicht mehr zelten. Arbeiten würde er hier in einer Kneipe. Ich könne auch bei ihm übernachten, 15 Euro mit Frühstück. Kochen könne ich da auch usw. Er war aufdringlich und ich mochte das nicht. Scheinbar hat er das irgendwann kapiert. Schön an dem Abend war ein plötzlicher Regenbogen am Himmel.

Nicht schön, dass es plötzlich anfing zu regnen, als ich gerade essen wollte. Ein trockenes windstilles Plätzchen gab es gottseidank noch.
P.S. Wie konnte ich Saarburg vergessen ? Ein schnuckliges kleines Städtchen mit Burg und einem tollen Wasserfall (Klein- Bad Gastein sozzsagen)

Wasserfall von Saarburg

Saarbrücken

6. Juni 2020 Saarbrücken

Der Wettertiefpunkt ist überschritten. Kühl aber trocken sieht es aus. Nach dem Frühstück (die Nacht waren nur 8 Gäste in der JH) stürze ich mich pünktlich um 9:30 in die Saar- Metropole. Den Weg hinunter kenne ich ja schon und ruckzuck stehe ich am Rathaus und der Johanniskirche.
Am St. Johanner Markt und seiner schönen Umgebung vorbei überquere ich die Saar und gehe zum Schloss hinauf, von wo man eine schöne Aussicht hat. Im Schloss ist eine Tourist Info und eine Tafel mit einer interessanten Geschichte: Schon vorher ist mir das blaue Strassenschild „ Platz des unsichtbaren Mahnmals“ an der Fassade aufgefallen. Hier nun die Auflösung. 1990 haben sich Kunststudenten eigenmächtig Pflastersteine aus der Schlossauffahrt genommen und die Namen jüdischer Friedhöfe hineingemeisselt. Die Steine wurden dann mit der Beschriftung nach unten wieder eingesetzt. Das Schloss war zeitweise eine Gestapo-Zentrale (eine originale Gestapo-Haftzelle ist im Historischen Museum zu sehen). Die Aktion wurde vom Magistrat und dem späteren Ministerpräsidenten gut geheißen und 1993 konnte das fertige Mahnmal in Form von 2146 beschrifteten Steinen der deutschen jüdischen Gemeinde übergeben werden. Ich habe mir die Auffahrt einmal genau angeschaut, aber keinen Hinweis entdeckt. Deshalb unsichtbares Mahnmal.
Der Eingang des Historischen Museums ist auf der rechten Schlossseite nicht zu übersehen. Grau-rötliche Illustrationen zieren die kleine Fassade. Am Eingang steht Herr Hasemann, der mir seine Hilfe anbietet. Ich frage ihn, was mich denn in dem Museum erwartet und er kann mich unaufdringlich überzeugen, hineinzugehen. Der Eintritt von nur 6 Euro scheint auch nicht übertrieben.
Zu Beginn erwartet mich eine Sonderausstellung zu den 20er Jahren mit einigen schönen Exponaten wie z. B. Fahrräder oder Schreibmaschinen. Die Dauerausstellung umfasst die Geschichte des Saarlandes ab 1870 bis 1959, wo das Saarland vollumfängliches 10. Bundesland wurde. Durch diese Zeitreise wurde mir erst klar, wie wichtig dieses kleine Ländchen für den europäischen Einigungsprozess ear und die Versöhnung mit Frankreich.
Der 3. Abschnitt des Museums ist die „ unterirdische Burg“. Man betritt praktisch die ausgegrabenen Fundamente und Kasematten/Wehranlagen der ursprünglichen Burg, über die später dann das Schloss gesetzt wurde. Von Steinmetzzeichen bis zum Falkonett (mittelalterl. Kanone) ist da einiges zu entdecken. Ein schönes kurzweiliges Erlebnis, was auch zum unbeständigen Wetter gepasst hat. Als ich zum Ausgang komme, prasselt schon wieder ein Schauer aufs Pflaster und ich warte ab.
Schon fast 14 Uhr, aber auf meinem Weg zur Innenstadt mit der prächtigen Bahnhofstrasse, komme ich an der Ludwigskirche vorbei. Diese evangelische Barockkirche und Wahrzeichen der Stadt ist unbedingt sehenswert, wie mir Herr Hasemann mit strahlenden Augen versprochen hat. Das Innere ist komplett in weiss und grau gehalten. Das sieht man nicht so oft und macht die Stimmung gleich heller und feierlicher. Es wirkt aufgeräumt und klar. Auf dem Vorplatz findet samstags immer ein Wochenmarkt statt.
Um den Blog etwas abzukürzen: Ich hab dann noch etwas an der Saarpromenade gechillt und viele Demoteilnehmer gegen Rassismus gesehen. Vor dem Stadttheater war auch ein Konzert für oder gegen Etwas. Einen Aluhutträger habe ich gesehen. Ich musste gleich mal nachlesen, was das bedeutet. Heute war ein lehrreicher Tag.
Nachtrag: Telefonieren bringt doch manchmal was: die nächsten 3 Nächte auf Campingplätzen sind gesichert (mit Dusche und WC). Morgen Merzig, Montag abend Camping Schutzwiese in Wasserbillig/Luxemburg und Dienstag abend Camping Schenk, Bernkastel-Wehlen. Ab 10.6. ist Rheinland-Pfalz dann kein Problem mehr.

Fotos folgen später

Grenzenlos Regen

Fr. 05.06.2020 Bliesmengen – Saarbrücken 28 km
Das Gästehaus vor dem kleinen Ort Bliesmengen war schon toll gestern. Heute morgen, noch bevor ich mein Äusseres zu verschönern versuche, falte ich das über Nacht getrocknete Zelt im Flur wieder zusammen. Im Grunde fast die gleiche Routine wie beim Zelten. Der Schlafsack und das Kissen liegen auch noch geöffnet herum. Aber nun ist Alles trocken und ich kann 2 Nächte den Kram in der Tasche lassen. Der Wetterbericht ist grottenschlecht und ich bleibe bis Sonntag in der Europa-Jugendherberge Saarbrücken.
Die Dorfbäckerei in Bliesmengen hat erstklassige Backwaren und sehr heissen Kaffee. Wieder vertilge ich die Mahlzeit in einer der Bushaltestellen, da der Backladen keine Tische hat. Der Himmel hängt schon voller dunkler Wolken und es tröpfelt auch schon. Ich fahre nach den zwei Käse-Salamibrötchen auf die französische Seite der Blies und steuere Sarreguemines oder Saargemünd an. Dort mündet die Blies in die Saar.
Ich habe auf dem Navi keine Frankreichkarte und daher komme ich in Saargemünd etwas in trudeln. Aber als ich an die Saar gelange, finde ich auch die Bliesmündung.

An der Bliesmündung
Bliesmündung

Dort sitzt ein Angler und ein einsamer Schwan zieht seine Kreise. Der Regen macht Pause. Ich drehe noch einen Schwenker durch einen Teil der Altstadt, wo gerade ein Strassenmarkt stattfindet. Irgendwo lese ich auf einem Infoschild, dass schon des Öfteren Hochwasser Teile der Stadt überflutet hat.

Saargemünder Geschäfte

Auch in Frankreich ist die Maske aus dem Alltagsbild nicht wegzudenken. Ich habe ein komisches Gefühl als ich durch die französische Grenzregion fahre und dieses alte Grenzgefühl wieder hoch kommt. Corona zeigt die Schwäche der EU nochmal deutlich auf. Es wird wohl noch sehr lange dauern bis die Grenzen keine Rolle mehr spielen.

Der Wetterbericht bestimmt heute meine Zeiteinteilung. Saarbrücken ist noch 12 km entfernt. Ich möchte nicht unbedingt wieder gewässert werden und breche auf.

Saar-Radweg

Der Saar-Radweg beginnt vielversprechend. Ich starte ja nicht bei der Quelle, was ich aber nicht schlimm finde. Hauptsache am Fluss und keine heftigen Anstiege wie in Neunkirchen. Es geht dicht am Fluss oder abzweigenden Kanälen entlang. Völlig allein. Ich fühl mich sehr entspannt. Auch die Aussicht auf das trockene warme Zimmer macht mich locker.
Brütende Wildenten werden auf dem Radweg angekündigt. Tatsächlich liegen oder sitzen hinter einer Brücke ziemlich viele weisse oder braune Tiere auf einem asphaltierten Parkplatz. Sehr ungewöhnlicher Anblick. In einem Garten dahinter noch eine Gruppe.

„Brütende Wildenten“

Saarbrücken – eine Brücke über die Saar, das ist mein Ziel heute. Ich überquere eine von den vielen und bin nach 2 km an der Jugendherberge. Diesmal keine Quälerei auf den Stadtberg.

Saarbrückener St. Johanner Markt

Ein Spaziergang in die City macht durch den Regen plus Windböen wenig Spass. Aber so habe ich mich für den morgigen Besichtigungstag schon mal orientiert. Die Gegend um den St. Johanner Markt hat schon was. Während ich das schreibe, klopft der ersehnte Regen munter ans Fenster.

Treffpunkt Saarland

4. Juni 2020 Kusel – Bliesmengen-Bolchen

Bliesmengen- Bolchen

Mittlerweile sitze ich an einem Schreibtisch mit Blick ins Grüne nahe der franz. Grenze. Der Grenzfluss ist die Blies und deren Verlauf bin ich größtenteils seit Kusel gefolgt.

3. Juni 2020 Hotelfrühstück in Kusel: Ich betrete den Frühstücksraum und sehe auf rot-weisse Absperrbänder, die mit Tischböcken den Weg zum Buffet versperren. Sehr provisorisch und absolut ungemütlich. Die Chefin bedient. Sie ist praktisch die rechte verlängerte Hand und bestückt das Tablett mit den erwünschten Frühstücksbeilagen. Dann reicht sie es über die Barrikade und zapft den Kaffee. Aus hygienischer Sicht erstmal überzeugend, wenn das Personal gesund ist.Wie schon die ersten Tage sind die ersten Kilometer wieder nicht ohne. Natürlich geht der Track ziemlich direkt auf den Radweg zurück und das ist steil. Über 10 Prozent und ich schiebe die letzten 200 m einen Grasweg hoch zur Strasse. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Oben ist ein Rastplatz und ich schaue nochmal ohne Wehmut nach Kusel runter.
Bahntrasse ist wieder angesagt, soweit ich mich erinnere. Der Glan Blies Radweg verläuft viel auf dieser alten Trasse. Vor Homburg geht es dann aber in den Wald. Schotterwaldwege über etliche Kilometer. Ich verlasse den Track bei Bruchhof und fahre über Bexbach nach Neunkirchen. Kein schöner Weg, aber notwendig, um zum Stummplatz zu kommen. Dort wartet schon Andy MTB auf mich ( Youtubekanal : https://www.youtube.com/channel/UCOwG7H1bWAM3dnsx2ZiIG4Q
Wir haben uns vor einiger Zeit verabredet, um uns persönlich zu treffen und einen schönen Abend dort zu verbringen. Ausserdem habe ich den Campingplatz Volkssonnengarten dort gebucht. Andy als Ortskundiger bringt mich dorthin. Strassen mit grenzwertigen Steigungen stellen meine Kondition nochmal auf die Probe. Am Campingplatz freu ich mich auf die Dusche. Es braut sich bei schwülwarmen Temperaturen ein Gewitter zusammen.
Wir fahren nicht wieder in die City zurück, sondern steuern zielstrebig den „Treffpunkt“ – Zweibrücker Str. an. Ein Bikertreff an einem Kreisel, der Sitzplätze im Freien anbietet. Die Kellnerin Andrea ist gut drauf und bereichert Andys Videosequenzen mit Witz und Charme. Unser Rahmschnitzel ist üppig, das Homburger Karlsberg Bier süffig, am Himmel blitzt und donnert es. Ein Wolkenbruch folgt. Wir rücken unterm Schirm zusammen. Der Bikerstammtisch und ein anderer Stammtisch oder Geburtstagstisch ebenso. Corona ist weit weg aus den Köpfen. Nur beim Gang zum WC sitzt die Maske wieder korrekt.4. Juni 2020Die Nacht im Zelt war nicht schlimm. Es regnete stark, aber ich war müde und nicke sogar morgens nach 7 nochmal ein bis 8:40. Die Morgenprozedur ist im Krisenmodus: Nur das Nötigste und möglichst wenig Feuchtigkeit mitnehmen. Das Zelt kann ich gut abwischen und dann feucht-nass in den Müllbeutel packen. Heute abend würde ich es irgendwie zum trocknen hinlegen oder aufbauen.
Ja, Tag 9 beginnt. Der 1. Regentag. Ich breche erst um 10 Uhr auf, ochse wieder die Steigung zur Hauptstrasse hoch und fahre zum benachbarten Kaufland. Dort gibt es Frühstück. Das vollbeladene Rad bleibt einfach angeschlossen vor dem Markt stehen. Ich frühstücke beim Bäcker eine Doppelwecke mit Fleischkäse und grossen Kaffee. Als ich wieder raus komme, giesst es. Ich beschliesse, gleich wieder mit Einkaufswagen hinein zu gehen. Regenshoppingbummel.
13 km nach Blieskastel geht es ohne Radweg, aber mit Regen. Erst hoch, dann rasant runter. Ich bin in voller Regenmontur und spüre die Nässe auf dem Hightechgewebe. Am Radwegtrack in Blieskastel wird es langsam trockener und wärmer. Die Bahntrasse ohne Autos tut gut. Einfach geradeaus und die Vögel zwitschern.
Irgendwann fliegen die Gamaschen weg und es fühlt sich fast normal an. Die Wettervorhersage sagt weitere Schauer voraus.

Kulturpark
Röm. Villa

Der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim kommt mir ausgerechnet bei einer Umleitung unter die Finger. Eine römische Villa bzw. Grundrisse oder ein Grab einer keltischen Fürstin sind dort Attraktionen. Besonders das Reinheimer Pferdchen hat es mir angetan.

Reimheimer Pferdchen

Ich komme etwas vom Track ab und fahre ziemlich weit nach Frankreich hinein ohne zu Wissen, ob es erlaubt ist. Kein Problem per Kompass und Google Maps zurück zu navigieren…

Deutsch-franz. Grenze
Blies

15 Uhr 5 bin ich am Gästehaus Perrin, wo mich die zuständige Chefin schon im PKW sitzend erwartet. Ich hab die Pension für mich allein. Dürfte sogar das Rad mit hinein nehmen! Ich freu mich und breite mich aus. Im Flur liegt jetzt das Zelt. Im Dorf Bliesmengen-Bolchen, dessen Namen ich mir nie merken werde, gibt es eine gute Pizzeria. Ich mache noch einen Spaziergang und hole mir dort eine Pizza Casa, die ich in der Bushaltestelle verschlinge. Der Bus kommt und ich winke kauend ab.Am Abend hole ich das Radio raus und höre France Bleu aus dem Elsass. Nur französische Titel – Hut ab Nachbarn.

Das Glantal

Di. 02.06.20 Bad Kreuznach – Kusel 71 km
Das Frühstück in der Jugendherberge war auch jeden Cent wert. Kein Buffet, aber alles am Tisch, was man braucht. Man fühlt sich zwar etwas aussätzig, aber dafür wird man bedient. Das Wetter verspricht sehr warm zu werden. Ich starte um 9:15. Bergab, 15 % Gefälle… das bin ich gestern hoch geochst. Ich fahre durch den Salinenpark. 4 riesige Salinen geben Kreuznach das Bad. Eine wurde gerade erneuert. Etliche Reisigbüschel lagen bereit zum Auffüllen der großen Salinenwände.

Am Naheradweg fahre ich Richtung Süden weiter. Burg Rheingrafenstein ist der zweite Turner-Blick, also der Blick, den der brit. Maler damals für das Gemälde hatte. Sehr malerisch auch heute noch.

An einer Stelle ignoriere ich die Abfahrt nach rechts oben und hoffe, dass ich unten eine Alternative erwische. Das klappt nicht so perfekt. Ein Einheimischer erklärt mir auf einem Parkplatz, das ich nun am besten einen Trampelpfad nehme, der auch wieder zurückführen würde. Au ja, wieder Abenteuer. Der Pfad oder Trail war nicht gerade langweilig, sondern eng und auch felsig. Zum Glück nur kurz und nach einem engen Tunnel kam man an einem Weinberg raus, der zur Straße führte.

5 km vor Bad Sobernheim biegt der Glan-Blies-Radweg südlich ab. Der besagte Einheimische behauptete sowieso, dass hinter Bad Sobernheim der Naheradweg sich nicht lohnen würde. Dann hab ich zufällig richtig geplant.

Eine Draisinentrasse sollte hauptsächlich diesen Radweg prägen. Heutzutage kann man eine Fahrraddraisine mieten und die Strecke individuell absolvieren. Der Radweg läuft oft parallel und ehenso oft kreuzt er auch. Der Radweg ist ziemlich perfekt in Untergrund, Beschilderung und Lanfdschaft. Klein aber oho, wie die Fulda.

Meisenheim – Perle des Glantals – ist sehenswert und für eine kulinarische Pause ideal. Viel wird an der Strecke sonst nicht geboten. Die Orte seien alle ziemlich öde und man muss sich rechtzeitig versorgen. In Meisenheim kaufe ich einen energiereichen Fleischkäsewecken und 2 Kümmelwürste mit Brötchen. Die Altstadt ist incl. Kirchen sehenswert. Direkt neben der evang. Schlosskirche esse ich im Schatten das Fleischbrötchen.

Durch Zufall entdecke ich dort auch noch einen alten Brunnen mit der antiken Brunnenordnung.
An meinem Zielort Kusel checke ich in ein normales Hotel ein. Ein Schlüsseltresor spuckt nach Codeeingabe den Zimmerschlüssel aus. Kannte ich auch noch nicht. Das Zimmer ist groß und bequem. Nach Dusche und etwas Regeneration gehe ich noch durch die Stadt zum NORMA. Dort kaufe ich das Abendessen ein. Salat, Sandwich und Hähnchenstücke. Ich schaue auf einer Brücke in den Kuselbach und entdecke einige quietschlebendige Ratten, die sogar den Bach schwimmend überqueren. Ein Mann kommt aus dem benachbarten Haus und war gar nicht überrascht über meine Beobachtung. Die Stadt duldet die kleinen Nager dort.

Flüsse verbinden

Pfingstmontag und davor Schlitz – Bad Kreuznach 245 km

Es war ja klar, dass ich es nicht schaffe, jeden Tag zu bloggen. Dafür fahre ich ja auch nicht los, um pausenlos jeden Tag aufzuschreiben. Aber was ist im Groben bisher passiert?
Ziemlich spät verlasse ich den Campingplatz Schlitz, weil der Platzwart so spät auftaucht. Ich entscheide mich für einen Weg direkt zur Fulda und lande im Wald. Der eingezeichnete Pfad ist zugewachsen. Ich höre oberhalb eine Strasse und schlage mich querfeldein durch. Dazu muss ich sogar mal die Packtaschen abmachen und das Rad 5 m steil im Waldboden hochzerren. Ziemlich fertig freue ich mich, als ich mit zerkratzten Beinen endlich auf der Strasse stehe und schön hinunter rauschen kann.
In Fulda möchte ich ins Zentrum, auch für eine Essenspause und so starre ich wohl konzentriert auf das Navi. Ein anderer Radler etwa in meinem Alter sieht das und fragt mich, wo ich hin möchte. Er bringt mich im Schlepptau bis zu einem Bäcker in der Fussgängerzone. Bevor er wegfährt, unterhalten wir uns noch über meine und seine Reisepläne. Das Anstehen vor den Bäckereien ist immer eine Geduldsprobe. 2 oder 3 dürfen rein und dann scheint es immer eine Ewigkeit zu dauern bis die ganzen „Kaffeespezialitäten“ und Milchshakes etc. zubereitet sind.
Ab Flieden verlasse ich den R3 und steige gen Hutten-Heiligenborn auf. 8 km geht es auf 500 HM. Die Strasse ist wenig befahren und ich kann in Ruhe hochfahren. Ein Auto kommt mir langsam entgegen und Axel schaut mich durch die geöffnete Autoscheibe fragend an: „Hallo, erkennst Du mich noch?“ Wir hatten uns grob am Campingplatz verabredet und er hatte wohl schon früher mit mir gerechnet. Am Strassenrand halten wir einen kleinen Plausch und wir verabreden uns erneut für abends am Platz. Axel hat auch einen Youtubekanal und macht Videos über Strecken, Sehenswürdigkeiten und anderes der Region. Eine Etappe des R3 habe ich mir von ihm angeschaut und so sind wir in Kontakt getreten über die Kommentarfunktion. Auf dem Campingplatz Hutten- Heiligenborn ist er auch bekannt, und so wurde ich sehr herzlich empfangen plus 1a Stellplatz, nicht zu vergessen die Luxusdusche. Also wer die Höhe nicht scheut, dem sei der Platz absolut empfohlen. Axel trifft pünktlich nach meinem Trangiaessen ein und wir unterhalten uns noch am Platzrand auf einer Bank. Morgen früh um 9 Uhr startet er dann mit mir ein Stück bis ich den Track wieder erreiche. Ein Frühstück in Schlüchtern vor einem Cafe ist inclusive. Danke Axel, du bist ne Wucht. Sein Kanal ist https://www.youtube.com/user/friaxel
Nachdem Axel sich verabschiedet hat, lagen noch etwa 70 km vor mir bis Offenbach am Main. Ich fuhr die Kinzig entlang bis zur Mündung. Mit Rückenwind und leichtem Gefälle kam ich gut voran. Die Stadt Steinau kommt zuerst als Geburtsort der Brüder Grimm. Die alte Via Regia hat als Handelsstrasse damals Frankfurt und Leipzig verbunden. Am Kinzigstausee entlang, immer noch auf dem Hess. Fernradweg R3, der mir aber nicht so gut gefällt wie der R1 (der Fuldaradweg). Oft ist man an der Strasse oder auch mal in Gewerbegebieten, was wohl nicht anders zu machen ist. Gelnhausen soll eine schöne Stadt sein und so steuere ich mal die Altstadt an, die auch wieder in Hanglage ist. Ein Bäcker hat noch auf, aber keine belegten Brötchen mehr…nur noch die Rohware. Immerhin eine Nussecke lass ich mir auf einer schattigen Bank schmecken. Dabei frag ich mich, warum die schönsten Plätze auch noch vollgeparkt werden müssen?
Die Kinzigmündung mit einem Bootsverleih sagt mir „Du bist am Main, Fred.“ Nur noch 11 km und die große Etappe wäre auch geschafft. Und das noch vor 17 Uhr. Der Camping Bürgel liegt direkt am Mainradweg und hat eine eingezäunte Zeltwiese mit löcheriger Wiese, die nicht besonders gepflegt wirkt. So auch das Sanitärhaus. Trotzdem der stolze Preis von 11,50 plus 1 Euro Duschmarke.
Ich bin die nächsten 40 Stunden nicht allein, denn kurzfristig vor der Reise hat sich ein Youtuber-Kollege mit mir verabredet. Sein Kanal : https://www.youtube.com/channel/UCquyYmwMlFEnRu2Yc7HuQYg
Ja, Markus und ich wollten sich eben mal irgendwann wirklich treffen und so kam das diesmal sehr gelegen. Markus reiste auch mit dem Rad und Zeltausrüstung an, kam aber erst gegen 18 Uhr an. Nach dem Aufbauen und Duschen gabs am Campingplatz noch Schnitzel zum sattwerden und einen Spaziergang am Mainufer zum Meinungsaustausch.

Am Pfingstsonntag begleitete mich Markus bis nach Mainz. Auf dem lebendig-vollen Radweg haben wir versucht Konversation zu betreiben, was stellenweise ziemlich gefährlich wurde. Die Zeit musste ausgenutzt werden, um alle Themen ausführlich zu bequatschen. Ein Abstecher in die Frankfurter City war zeitlich drin.

Natürlich durfte auch die Kaffee-Kuchen-Pause nicht fehlen, die wir im „Zum Hirsch“ in Flörsheim genossen haben. Danach kommen wir zur Mainmündung und dem Ende oder Anfang des Mainradweges mit der Skulptur des Flössers.

Auf dem Campingplatz Maaraue haben wir beim Zelt aufbauen dann Alexander kennengelernt und „adoptiert“ für den Abend. Nach Pizza, Eis und mind. 8 km Spaziergang war dann Alex endfertig und verschwand im Zelt.Wir schnappten uns noch das Reserve-Radler und liessen den Abend beim Sonnenuntergang ausklingen.Am nächsten Tag sollte sich noch Markus bessere Hälfte zu uns gesellen und bis Bingen gemeinsam radeln. In einer Tankstelle konnten wir am Pfingstmontag zum Glück ein paar frische Brötchen auftreiben. Auf einem Netto Parkplatz – dem verabredeten Treffpunkt – schmeisst Markus den Gaskocher an und der Kaffee zu den Brötchen ist gesichert. Wir sitzen beide in den Helinox Stühlen und vermissen jetzt die schöne Aussicht auf den Rhein.Auf der linken Rheinseite radeln wir zu Dritt die 30 km bis zur Nahemündung, wo sich unsere Wege wieder trennen sollten. In Bingen ist die Temperatur dann schon im Bereich der 26 Grad und die touristischen Plätze sind gut gefüllt.Wir überlegen erst, uns irgendwo noch auf einen Abschlussdrink hinzusetzen, aber entscheiden uns dann doch wegen der Überfüllung dagegen. An der Nahemündung mit dem Mäuseturm im Hintergrund gibt es noch ein Foto und dann ein „Auf Wiedersehen“, das nicht ausgeschlossen istDer Nahe-Radweg bis Bad Kreuznach ist flach und dem Rheinweg ähnlich. Auch etliche Tagestouristen unterwegs. Die Nahe ist ab und zu auch tatsächlich nah. Weinanbau ist präsent. Wein wächst über die Strasse in einem Dorf.Bad Kreuznach erreiche ich noch vor 16 Uhr. Auch dort ist was los. Ich knipse am sog. „Turner-Blick“ und fahre dann den Berg hoch zur Jugendherberge.D.h. ich wusste nicht, dass es so steil wird und ich fast 1 km schieben muss. Völlig ausgepumpt komme ich oben an und checke ein. Ein Zimmer zum ordnen, waschen und Blog schreiben.

Reisen mit und ohne Fahrrad