28 kg Gepäck – die Details

Neben ganz vielen kleinen Geschichten, die ich leider nicht im Blog festgehalten habe (aber vielleicht in den späteren Youtube-Videos noch erzähle oder anreisse) bin ich den Radreise-Fans mindestens noch die sog. Packliste schuldig. Sicher ist das für alle Anderen auch interessant, wenn ich unzensiert in meine privaten Taschen schauen lasse.

Ich habe für eine Italienreise im Frühsommer und etlichen Höhenmetern auf jeden Fall zuviel Gewicht mitgeschleppt. Daher war ich froh, dass Covid19 mir diese letztendlich wunderschöne deutsche Flüssereise auferlegt hat. Auch nicht unschuldig daran war Markus Geiss , der mich vor dem anvisierten hügeligen Limesradweg gewarnt und die Rheinroute empfohlen hat. Eine Weichenstellung, die ich mit Sicherheit nicht bereut habe. Der Limesradweg steht immer noch auf der ToDo-Liste, aber mit einem anderen Setup (wie man neudeutsch die Radausrüstung nennt).

Frühsommer in Deutschland kann auch noch ganz schön ungemütlich werden. Nächtliche Temperaturen von unter 10 Grad sind auch noch im Juli möglich, wie ich und die anderen Camper in Leipheim an der Donau erfahren mussten. Mein Deuter-Schlafsack liess mich auch diese Nacht gut schlafen. Handschuhe, Mütze und Co. wären im Mittelmeerraum sicher überflüssig gewesen und nur bei einer Alpenüberquerung noch nützlich. Es ist also gar nicht so einfach, sein Gepäck zusammenzustellen. Wenn man auch Pensionen zwischendurch in Betracht zieht, wird manches überflüssig. Die Post kann ein Paket mit überflüssigen Dingen auch zurück transportieren und die Taschen leichter machen. Jeder, der sein bepacktes Rad an längeren Steigungen hoch bewegen musste, wird versuchen, das Gewicht aufs Nötigste zu reduzieren.

Aber nun zu meiner Ausrüstungsübersicht, die ich für zukünftige längere Reisen sicher als Grundlage nehmen werde. Veränderungen wird es wahrscheinlich dann doch noch geben, aber nur minimal.

Packliste der Sabbatical Tour oder Das würde ich wieder mitnehmen !

ORTLIEB RACK PACK 31 l
Zelt, Zeltstangen, 2 Sätze Heringe, Helinox-One-Chair, Schlafsack, Isomatte, aufblasbares Kopfkissen, Zeltlampe, kl. Handtuch, kl. Unterlage, Müllsack f. nasses Zelt, 2 Tatonka-Spanngurte, 1 Spannriemen (zum Wäscheaufhängen)

ORTLIEB Frontroller links KÜCHE
Trangia 27-8 Set, 0,5 l Spiritus, Pfannenschaber, Feuerzeug, Göffel, Trinkbecher, Spüli, Topfschwamm, Lappen, Geschirrtuch, kl. Tupperschale mit Öl, Pfeffer,Salz, Alufolie,Beutel
Portion Nudeln, kl. Konserve (Thunfisch,Gulasch), Fertignudeln Knorr/Maggi
Beutel mit Instantkaffeetüten, Teebeutel, Flachmann m. Schnaps

ORTLIEB Frontroller rechts ABENDTASCHE
Turnbeutel mit T-Shirt(Merino oder Synthetik), warmer Pullover, lange Trainingshose, Unterhose, kurze Hose von SCOTT, warme Socken, Sneakersocken
Kl. Beutel mit Wäscheklammern und Wäscheleine, Fahrradschloss
Ausserdem Platz für den Einkauf abends und Proviant unterwegs in beiden Frontrollern, sowie bei Regenwetter auch Platz für die Regenkleidung (Hose,Gamaschen)

In den ORTLIEB Backrollern rechts und links hinten war keine strikte Ordnung, daher führe ich die übrige Ausrüstung in dieser Form auf:

Zusätzliche Kleidung (Ergänzung oder Ersatz zur Abendtasche): Sandalen in Beutel, FlipFlops, 2 Unterhosen, 2 Paar Sneaker, Badehose, ärmelloses Funktionsunterhemd, 1 T-Shirt (Merino oder Synthetik, also insgesamt 2), 1 Mütze, leichte Handschuhe, Buff,

Radkleidung: Regenjacke, Regenhose, Gamaschen, Beinlinge, langärmelige warme Radjacke, 1-2 Radtrikots, 1 Radhose, Fahrradhelm m. Regenüberzug

TECHNIK
Samsung Tablet S4, externe Festplatte, 8 Eneloop-Akkus 2500 mAh für Navi und Lampe, 3 GoProAkkus für Hero8 sowie 3 Akkus für Hero6, Miniradio, Tasche mit Ersatzcam Hero6, Anker-Powerbank 20000mAh
Extra Techniktasche: Eneloop-Ladegerät, 3er USB-Ladegerät, GoPro-Ladeschale 3er, Tablet-USB-Adapter, Garminkabel, 2x USB-C-Kabel, 2x Mini-USB-Kabel, Ersatzknopzelle für Tacho, Handykopfhörer

KULTURTASCHE
Medikamente, Rasierklingen, Rasierer, Oropax, Nagelschere, Vitamintabletten, Brillenputztücher, Interdentalbürsten, Zahnseide, Seifendose, Zahnbürste, Zahnpasta,Sonnenmilch 100 ml, Deostift 50 ml, Duschgel 50 ml, Ilon protect Salbe, Rei in der Tube oder Universalwaschmittel, Feuchttücher oder gepresste Trockentücher
BADEZIMMER: 2 Handtücher a 50×90 cm

APOTHEKE
Panthenolsalbe, Fenistilgel, Clotrimazolcreme, Autanspray, Bepanthen Augen-Nasensalbe, Octenisept-Spray, Pflasterset, Binde, Voltarensalbe, Zeckenschlinge, diverse Schmerzmittel wie Diclo, Ibu, Arcoxia, Aspirin –  Imodium

WERZEUG
Kettenöl mit Lappen und Handschuhe in extra Beutel, Schlauch, Hebel und Spezialschlüssel in extra Beutel, Kabelbinder, Luftpumpe, Klebeband, Handschuhe, Tücher, Flickzeug, Multitool, Spanngurt

ORTLIEB ULTIMATE 6L classic LENKERTASCHE:
Navi, 2 x Handy, Go Pro Hero 8 mit Griff, Tasche m. Speicherkarten, dünner Buff, Mundschutzmaske(bei Corona) Hygienetücher, Taschenlampe, Taschenmesser, Ersatzschlüssel f. Fahrradschloss, Ersatzakkus f. Navi und Cam, Kugelschreiber, Messer v. OPINEL, Pfeife m. Kompass, Ausweise, 2x Visacard, EC-Card, Geheimnummern, KV-Karte, Bahncard,

OHNE KATEGORIE: Etui m. Ersatzbrille, faltbarer Rucksack, Regenschirm, Universal- Waschbeckenstöpsel, Fahrrad-Trinkflasche

Das würde ich jetzt zuhause lassen:
2. Zahlenschloss, Einmal-Handtücher, Radunterhosen, evtl. Stirnlampe, 2. Powerbank, großer GoPro-3way-Grip, Korkenzieher

Wer gerne noch mehr Details wissen möchte, kann mich gerne fragen !!

Bei YOUTUBE kommt jetzt erstmal die komplette 2019er- Version des „Lieblichen Taubertalradweges“, die dann die CORONA-Version ablöst. Danach noch der Mainradweg bis Würzburg , bevor ich mich an die Sabbatical-Clips heranmache. Bleibt gesund und bis die Tage

RÜCKSCHAU 2

Wie versprochen noch ein Resümee der vergangenen Grand Tour von mir.

Als erstes nochmal eine Übersicht der einzelnen Tagesziele:

Sabbatical-Tour 2020

Mi. 27.5.        MELSUNGEN Camping am See

Do. 28.5.        SCHLITZ Campingplatz Schlitz

Fr. 29.5.         HUTTEN-HEILIGENBORN Campingplatz

Sa. 30.5.       OFFENBACH/MAIN Camping Bürgel

So. 31.5.        MAINZ Camping Mainz-Maaraue

Mo.1.6.           BAD KREUZNACH DJH Nahetal

Di. 2.6.           KUSEL Hotel Saar

Mi. 3.6.           NEUNKIRCHEN  Camping Volkssonnengarten

Do. 4.6.         BLIESMENGEN-BOLCHEN Gästehaus Perrin

Fr. 5.6./Sa. 6.6.        SAARBRÜCKEN DJH

So. 7.6.          MERZIG Campingplatz Kanu-Club

Mo. 8.6.         WASSERBILLIG (LUX) Campingplatz

Di. 9.6.           BERNKASTEL-KUES Campingplatz Schenk

Mi. 10.6.        TRABEN-TRABACH Camping Wolf

Do.11.6.         COCHEM Campingplatz

Fr. 12.6.         KOBLENZ Campingplatz

Sa. 13.6.        KOBLENZ DJH

So. 14.6.        BINGEN DJH

Mo. 15.6.       MAINZ Campingplatz

Di. 16.6.         MANNHEIM Campingplatz

Mi. 17.6.        WAGHÄUSL Zimmer BOOKING

Do. 18.6. RHEINMÜNSTER Campingplatz

Fr. 19.6.         KEHL Campingplatz

Sa.20.6.         SCHUTTERWALD  bei Wolfgang

So. 21.6.        RIEGEL a. Kaiserstuhl Campingplatz See

Mo.22.6.        BADENWEILER  Campingplatz

Di. 23.6.         LÖRRACH Campingplatz

Mi. 24.6.        WALDSHUT Campingplatz

Do.25.6.         WANGEN am SEE Campingplatz

Fr.26.6.          DONAUESCHINGEN Camping Riedsee

Sa.27.6.         HAUSEN IM TAL Campingplatz

So.28.6.         EHINGEN Gasthof Knupfer

Mo.29.6.        KÖNIGSBRONN Campingplatz

Di.30.6.          SCHWÄBISCH HALL Campingplatz

Mi. 1.7.           BAD WIMPFEN Gästehaus Fernblick

Do.2.7.           JAGSTHAUSEN Fremdenzimmer

Fr.3.7. ROT AM SEE Campingplatz

Sa. 4.7.          KÖNIGSBRONN Campingplatz

So.5.7.           DILLINGEN Campingplatz

Mo.6.7.           LEIPHEIM Campingplatz

Di. 7.7.           ULM Hotel Reblaus

Mi. 8.7.           BUTTENWIESEN  Ristomassimo Gastro Italiana

Do.9.7.           INGOLSTADT Pension Feldschlössl

Fr.10.7.          DIETFURT/Altmühl  Gasthof zur Post

Sa. 11.7.        MÖRNSHEIM Hotel

So.12.7.         LEUTERSHAUSEN Hotel zur neuen Post

Mo. 13.7.       ROTHENBURG o.d.TAUBER Pension

Di.14.7./15.7.            BAD MERGENTHEIM Ferienwohnung

Do.16.7.         WERTHEIM Hotel Mainperle

Fr. 17.7.         WÜRZBURG Pension Zimmerfrei

Sa. 18.7.        VOLKACH Campingplatz

So. 19.7.        DECHSENDORF Campingplatz

Mo.20.7.        ETZELWANG Campingplatz

Di. 21.7.         REGENSBURG Campingplatz

Mi. 22.7.        NABBURG Campingplatz

Do. 22.7.        IMMENREUTH Campingplatz

Fr.23.7.          LICHTENBERG Campingplatz

Sa.24.7.         BAD BLANKENBURG Campingplatz

So.25.7.         JENA Akademiehotel

Mo.26.7.        NAUMBURG Saale Campingplatz

Di. 27.7.         LEIPZIG Rückfahrt


21 Flüsse  und 1 Kanal

Fulda, Kinzig, Main, Rhein, Nahe, Blies, Glan, Saar, Mosel, Donau, Kocher, Jagst, Brenz, Altmühl, Main-Donau- Kanal, Tauber, Aalbach, Pegnitz, Vils, Naab, Haidenaab, Saale

Ich bin also insgesamt 63 Tage unterwegs gewesen, habe davon 39mal gezeltet und 23mal im Zimmer übernachtet. Im Durchschnitt habe ich ungefähr 21 Euro pro Nacht gezahlt, wenn man pro Campingplatz im Schnitt 13 Euro zugrunde legt (schwankte zwischen 6,50 bis 21 Euro)
Die 4070 km bin ich in 60 Radtagen gefahren, also ein Schnitt von 68 km. Darin sind auch die vielen kleinen zusätzlichen Wege enthalten, die vom Navi nicht aufgezeichnet wurden, weil ich z.B. einkaufen war oder etwas besichtigt habe.
 3 Ruhetage gab es: Saarbrücken, Koblenz und Bad Mergentheim
Mit dem Zug habe ich überbrückt: Ulm – Königsbronn zum Kocher-Jagst-Radweg und Bayreuth – Hof zum Saaleradweg.

Im Folgenden nun ein paar Punkte genauer beleuchtet:

CAMPING
Meine erste Woche Ende Mai war voll durchgeplant und die Campingplätze bis Mainz praktisch reserviert. Nicht in allen Bundesländern waren die Campingplätze für Radreisende geöffnet, aber Hessen und Saarland ging schon. Mundschutz in allen Räumlichkeiten, Abstand halten und überall stand Desinfektionsspray zur Verfügung. Ausserdem waren vielfach Waschbecken und Pissoirs abgeklebt, um den Abstand zu Gewähr leisten. Ein Vorteil: es gab immer Seife und fast immer Papierhandtücher in den Toiletten! Am Anfang war auf den Zeltwiesen meist gähnende Leere. Nach Saarbrücken, wo ich die kalten Regentage (Schafskälte) überbrückt habe, habe ich meine Tour praktisch so 2-3- Tage im voraus geplant. Das heisst, ich habe mir überlegt, bis wo ich fahre und den enstprechenden Campingplatz dann vorher angerufen, um ein Okay zu bekommen. Am 9.6. wollte ich z.B. nach Bernkastel-Kues und habe dort einen Platz angerufen, der mir absagen musste, aber gleichzeitig einen anderen Platz nennen konnte, „der Alle aufnehmen würde“ und so war es dann auch. Erst einen Tag später haben dann alle Plätze in Rheinland-Pfalz für Radreisende die Tore auf gemacht. Ab dann war es auch einfach, einen Platz zu finden und es wurde auch voller. Trotzdem bin ich nicht einfach spontan irgendwo hingefahren, sondern habe mich immer per Telefon oder auch Email vorher „angemeldet“.

Das Campen und im Zelt schlafen spielt sich nach 1 -2 Nächten ein und meine Ausrüstung war ziemlich gut, so dass ich keine Probleme mit Kälte oder Nässe hatte. Das morgendliche feuchte Aussenzelt hat mir am Anfang etwas Sorgen bereitet und ich hatte Hemmungen, es so einzupacken. Mit der Zeit aber habe ich auch damit kein Problem gehabt und es sogar 2mal während einer Mittagspause irgendwo am Wegesrand zum Trocknen nochmal aufgebaut. Das Innenzelt habe ich nie ausgehängt und extra verpackt, denn abends trocknete die restliche Feuchtigkeit nach dem Aufbau ruckzuck weg. Die kleine Hängelampe, die Bettina mir mal geschenkt hatte, leuchtet übrigens immer noch nach so langer Zeit. Meine Stirnlampe oder 2. Hängelampe habe ich ganz umsonst mitgeschleppt.

TECHNIK
Nur kurz etwas zur Stromversorgung unterwegs, was ja oft Thema ist. Ich habe zwei Power-Banks mitgenommen mit 30000 mAh insgesamt, was schon absolut viel ist. Strom brauchte ich für die 3 Go Pro Akkus, 2 Handys und die Eneloop AA 2500 Akkus vom Navigationsgerät. Dazu muss ich sagen, daß ich das Ersatzhandy nur selten angemacht habe, also kaum laden musste und von den GoPro Akkus auch selten mal 2 ganz leer waren. Also das Haupthandy und 1-2 GoProAkkus konnte ich mit der Powerbank laden, wenn ich eine lange Campingphase hatte. Die Eneloop-Akkus habe ich auch mal in einem Sanitärgebäude geladen, wenn wenig los war. Da hatte ich sowieso ganz viel Ersatzakkus mit und hätte locker fast eine Woche Saft gehabt.
Fazit: Die Stromversorgung war bei mir überhaupt kein Problem, weil ich maximal 8 Nächte am Stück auf Campingplätzen war und in einer festen Unterkunft sämtliche Akkus wieder gut aufladen konnte. Ich habe auch ein Tablet mitgenommen, was ich aber nur in den festen Unterkünften benutzt und aufgeladen habe.
Gefilmt habe ich mit der GoProHero8 und meinem Handy (Samsung Note 9) und als Ersatzcam war die GoProHero6 noch im Gepäck. Die GoProHero8 ist mir unterwegs einmal aus der Lenkertasche gehüpft und auf dem Asphalt gelandet. Seitdem ist das Objektivglas etwas gespidert, aber zum Glück nicht im sichtbaren Bereich. Die 8er spinnt bekanntermassen sowieso manchmal und lässt sich nicht mehr einschalten. Dann entfernt man den Akku kurz und sie startet wieder, aber meist dann im Zeitraffer-Modus. Der Fehler ist reproduzierbar, aber wird mir jetzt keinen Umtausch mehr bringen nach dem Sturz.

FAHRRAD

Zuerst kann ich sagen, dass ich die Strecke ohne große Blessuren oder Krankheiten bewältigt habe. Beine, Knie und Rücken haben gut durchgehalten. Womit ich nicht gerechnet habe, dass ich im Gesäßbereich bzw. in den Pofalten ab und zu Schmerzen hatte durch entzündete Pickel. Auch mit morgendlicher und abendlicher Salbung liess sich das nicht ganz vermeiden. Beim nächsten Hautarzttermin werde ich das mal ansprechen. Sonnencreme war morgens meist obligatorisch.
Ich habe festgestellt, dass für mich die Planung mit den Flussradwegen und damit moderaten Höhenprofilen optimal gewesen ist. 28 kg Gepäck, dazu 17 kg Fahrrad und meine 65 kg wären in überwiegend bergigen Regionen völlig überfordert gewesen und so habe ich unterwegs immer auf das Streckenprofil und die Höhenmeterangaben geachtet. Auch so musste ich dann oft schieben oder kam an manchen Steigungen ab 7 Prozent an meine Grenzen. Eine Alpenüberquerung oder Ähnliches erfordert dann nochmal Gewichtsoptimierung oder kürzere Etappen.

Das Fahrrad selbst hat keine Panne gehabt ! Nur die Lichtanlage ist irgendwann ausgefallen, was ich erst zuhause repariert bekam. Zur Pflege unterwegs: In Dietfurt an der Altmühl haben wir die Räder und die Taschen komplett in einer Kärcher-Waschanlage abgespritzt, weil die Schotterwege eine graue Staubschicht hinterlassen haben. 2 oder 3 mal habe ich die Kette gereinigt und neu geölt. Einmal Luft nachgepumpt in der letzten Woche. Bewährt hat sich der linke Aussenspiegel !

Zur Ernährung: Morgens meist Brötchen beim Bäcker, unterwegs Laugenstange,Bananen,Äpfel,belegte Brötchen,Riegel, Eis oder auch Kuchen plus Wasser, Apfelschorle o.ä. Abends dann Pasta mit Thunfisch, Gulasch oder Pesto im Trangia (2 mal auch Bratwurst!) , sowie diverse Gastronomie-Mahlzeiten.

EINKAUFEN
Ich habe gerne Supermärkte oder Bäckereien in kleineren Orten aufgesucht, weil ich dort ein sicheres Gefühl fürs Fahrrad und Gepäck hatte. Die Lenkertasche kam dann ab und mit hinein, der Rest blieb draussen oft unangeschlossen stehen. Ein leichtes Fahrradschloß sowie ein dünnes Zahlenschloß für vorne war mit dabei für alle Fälle.
In den Packtaschen war dann immer genug Luft für den Einkauf und natürlich habe ich möglichst nah vor dem Campingplatz eingekauft und das vorher auf Google Maps erkundet. TIPP: Bargeld kann man in den Supermärkten ab 10 Euro Einkauf mitnehmen (bei ALDI Süd schon ab 5 Euro) Hat mir geholfen, weil ich kein Sparkassen-oder Volksbankkunde bin. Ausserdem empfehle ich bei Auslandsreisen, wo man unbedingt eine Kreditkarte braucht, eine zweite Karte mitzunehmen. Meine VISA Card wurde schon mehrmals gehackt und war dann erstmal unbrauchbar.

SIGHTSEEING
Ich habe nicht nur „Strecke gemacht“, sondern eine ganze Menge am Wegesrand angeschaut. Da ich die Reise im Grunde fast ungeplant angegangen bin, musste ich mich auf Tipps von Anderen unterwegs oder im Internet verlassen. Manche Burgruine oder Kirche habe ich irgendwo gesehen und dann besichtigt. Ganz berühmte Bauwerke wie in Ulm waren praktisch Pflichtprogramm. Hier noch eine Auswahl meiner Highlights: die Völklinger Hütte, Saarschleife, Burg Landshut, Grevenburg bei Traben, Burg Eltz, Reichsburg Cochem, Neue Frankfurter Altstadt, Mainz, Strassburg, Schloss Ortenberg, Donauquelle, Donauversickerung, Bad Wimpfen, Donaudurchbruch b. Kehlheim, Rothenburg o.d. Tauber, Burg Wertheim, Würzburg, Regensburg, Jen-Tower in Jena, Naumburger Dom und viele andere kleine und große Städte.

KOMMUNIKATION
4 andere Youtuber-Kollegen habe ich auf meiner Reise getroffen und mit Markus bin ich sogar 4 Tage zusammen gefahren. Wolfgang habe ich in Cochem auf dem Campingplatz kennengelernt und ihn dann bei Offenburg besucht. Florian hätte ich fast in Mainz besucht, nachdem wir zusammen durch die Koblenzer Freitagnacht gestreift sind. Und noch mindestens 2 andere Leute haben mir Quartier angeboten, wenn ich meine Strecke anders gelegt hätte.  Es war trotz Corona kein Mangel an guten Gesprächen oder auch mal Smalltalk mit anderen Radlern auf der Strecke, denen mein großes Gepäck aufgefallen ist. Schön waren immer diese Campingplatz-Bekanntschaften, ob mit einer jungen Familie oder dem Camperpaar aus der Nähe von Hameln, die immer gleich ein gutes Gefühl von Geborgenheit gegeben haben, was in der Anonymität eines Hotels nicht der Fall ist. Auf der Zeltwiese ist ein soziales Miteinander selbstverständlich und Kontakt sehr einfach zu finden. Umso erschreckender war dann auf einem kleinen Platz die Warnung vor Diebstahl im Sanitärgebäude (Powerbank), wo man es gar nicht vermutet hätte. Zum Glück habe ich keine schlechte Erfahrung dieser Art machen müssen und bin eher begeistert, wieviele tolle Leute ich durchs Campen kennengelernt habe. Ob Flo, Gudras, Anke, Rainer und Andere, es war eine riesige Bereicherung meiner Reise.  Und was noch wichtiger ist: Niemand hatte wegen Corona Berührungsängste und einer hat dem Anderen vertraut. Im Nachhinein könnte man auch sagen, etwas Russ. Roulette, aber es ist gut gegangen.

Zum Schluss noch die Frage „Was würde ich nächstes Mal anders machen ?“
Ich habe am letzten Radtag vor Leipzig schon gedacht, dass diese Reise so rund gelaufen ist, dass man es nicht hätte besser planen können. Das war für mich ja Neuland einfach drauf los zu fahren und was die Strecken anging, konnte ich aus dem Vollen schöpfen. Das war praktisch fast Alles neues Terrain. Um auch abseits der Flüsse in bergigem Gelände noch mitzuhalten, müsste ich das nächste Mal Gepäck reduzieren. Alles muss auf den Prüfstand und in der Packliste sind schon Fragezeichen markiert. Kleidung kann reduziert und unterwegs gewaschen werden. Technik kann noch verschlankt werden (Akkus,Cams..) Die Kombi aus Campen und Pension erlaubt weitere Verschlankung der Ausrüstung.
Mehr fällt mir im Moment nicht ein, weil ich ganz viel nochmal so machen würde.

„Was war gut?“  Dass ich niemals gedacht habe, ich möchte jetzt lieber zuhause sein, sondern mich immer auf den nächsten Tag gefreut habe.

Rückschau 1

Seit Dienstagabend bin ich nun wieder in den heimischen Gefilden und es gab überraschenderweise sogar ein kleines Empfangskommando, über das ich mich sehr gefreut habe.

Die letzten Tage meiner Reise waren auch noch richtig schön zum Abschluss. Nach einem guten Hotelfrühstück in Jena absolvierte ich die relativ kurze Etappe von 50 km nach Naumburg ziemlich relaxt, da ich genau um 15 Uhr zum Einchecken auf dem Campingplatz sein wollte. In Naumburg hatte ich sogar noch Zeit für Kaffee und Kuchen in der Fußgängerzone. Es war sehr warm und die Stadt gut gefüllt mit Leuten. Da ich noch den weltberühmten Dom besichtigen wollte, orientierte ich mich schon etwas, um nachher schneller hinein zu kommen. 4 km ausserhalb liegt der Campingplatz direkt an der Unstrutmündung in die Saale. Pünktlich stand ich dann vor der Rezeption des Camping Blütengrund, aber schon als Dritter in der Reihe. Eine einzige Frau machte den Checkin und es zog sich. Erst um 15:30 hatte ich die Formalitäten erledigt und konnte mir einen Platz aussuchen. Nun aber machte sich meine Routine bezahlt und ich war schon kurz nach 16 Uhr startklar, um wieder in die City zu fahren. Es gab noch einen kürzeren Schleichweg mit kleinen Hindernissen und so gelang es mir gegen 16:30 wieder am Dom zu sein. In der Nähe ist ein kleiner Fahrradparkplatz, unbewacht und gratis. Der Eintritt in den Dom kostet 7,50 € incl. Audioguide und ist absolut fair. Eine gute Stunde sollte man auch für die Besichtigung mit Erläuterung per Guide einplanen. Highlight ist natürlich die schöne Uta – eine Stifterfigur, die seiner Zeit bildhauerisch der Mona Lisa gleichzusetzen ist. Der sog. Naumburger Meister hat dort Werke geschaffen, die heute noch Kenner wie Laien faszinieren. Das Gebäude an sich tritt da etwas in den Hintergrund, finde ich.

Naumburger Dom

Auf dem Campingplatz zurück, lerne ich meine Zeltnachbarn kennen. Ein Paar aus Hameln oder Umgebung! Diese kleine Welt. Sie kochen gerade und ich packe auch meinen Trangia aus. Noch bevor ich die Flamme zünde, kommt Klaus herüber und bietet mir eine Portion Pasta an. Genial, so schnell war mein Essen noch nie fertig. Schnell noch die Dose Gulasch dazu und 2 Minuten warm machen, fertig ist die leckere Mahlzeit schon. Dazu einen Weisswein aus dem Gebiet Saale-Unstrut vom ALDI. Hervorragender Geschmack ! Ein paar Jugendliche ein Zelt weiter brauchen Hilfe beim Reifenflicken und Klaus bringt sich ein. Wir klönen noch ne Runde und tauschen die Telefonnummern aus für ein Treffen in Hameln. Ich möchte mir sein früheres Reiserad mal anschauen und probefahren, da es eine Roloffschaltung hat.

Der letzte Rad- und Reisetag beginnt dann sehr harmonisch bei Sonnenschein. Ich packe das Zelt trocken ein und verabschiede mich bei Klaus und Gabi, die als Tagesziel Halle haben. Meine erste Station ist das „Steinerne Bilderbuch“ an der Unstrut, für das ich erstmal einen kleinen Umweg über eine Brücke fahren muss. Das „Bilderbuch“ sind Wandreliefs im Felsen über den Weinbergen mit biblischen Motiven. Etwas schwer zu sehen wegen einer Hecke und Zäune etc. aber sehr zu empfehlen, wenn man schon mal in der Gegend ist. Axel (Youtube-Kanal friaxel) hat mir den Tipp gegeben.

Auf mein Frühstück muss ich dann noch bis 11:30 warten und erstrampeln. In Weißenfels ist eine schöne Fussgängerzone mit einem empfehlenswerten Bäcker, der diverse Frühstücksarten vorrätig hat. Ich wähle das „Deftige Frühstück“ ohne die süssen Komponenten. Um mich herum wird der neueste Tratsch ausgetauscht und überhaupt ist dort einiges los. Ich verlasse dann den Saaleradweg und fahre schon bekannte Kilometer gen Leipzig. Mit Bettina habe ich diesen tollen Weg – eine flache gerade Bahntrasse über mehr als 20 km – auf unserer „Luther-Tour“ vor einigen Jahren schon mal befahren. Dazu kommt noch Rückenwind und ich habe viel Zeit, um in mich zu gehen auf den letzten Kilometern. Als ob es jemand geplant hätte.

Durch diese Bedingungen bin ich fast 3 Stunden früher in Leipzig und schau mir das Rad schiebend, noch die City an. Am Markt ein Fischbrötchen, später noch ein Stück Pizza… es ist sommerlich warm bis heiss und ich chille einfach noch. Um 17:40 geht mein Zug, der dort auch noch startet und dadurch keinen Stress aufkommen lässt. Die Auslastung ist unwirtschaftlich leer….ich kann mich am Tisch ausbreiten. Tablet, Handy, Krombacher…einfach auch mal schön, Danke DB !

Seit Mittwoch bin ich nun zuhause und ich geniesse es auch. Die Reiseklamotten sind größtenteils schon gereinigt und wegsortiert, das Rad hat wieder Licht (war irgendwann ausgefallen unterwegs) und ist sauber und geölt. Die Videos und Fotos sind gesichert, die Familie hat mich auch schon gedrückt anlässlich des Geburtstages meines Vaters und die Firma ihren COVID19-Abstrich machen dürfen. Scheinbar bin ich unbeschadet durch die Lande gekommen, zumindest was Corona angeht.

Ich habe eine aktuelle Packliste, eine Aufstellung meiner Etappen und eine ungefähre Kostenaufstellung gemacht. Kommt aber erst in Teil2.

Bis dahin erstmal liebe Grüße und bleibt gesund

Es endet im Osten

Ich grüße Euch ganz herzlich aus Jena, der Lichtstadt. Heute morgen war ich noch in Bad Blankenburg an der Schwarza auf dem Campingplatz Flößerhütte, wo ich auch gestern abend sehr lecker gespeist habe. Um 5 Uhr war ich schon wach und habe auf dem Regenradar gesehen, dass es um 7 Uhr regnen sollte. Mein Zelt wollte ich noch trocken einpacken und so bin ich schon um 6 Uhr aufgestanden. Mein Plan ging auf und im Regen fuhr ich dann los. Frühstück gab es lecker in Rudolstadt. In der Bäckerei kam eine Frau an meinen Tisch und wollte mit mir über meine Reise reden. Sie war wohl fasziniert von meinem ganzen Gepäck und neugierig, wer dahinter steckt. Da sie auch Stadtführerin in Rudolstadt ist, hat sie mir noch einige wichtige Details zu ihrer Stadt berichtet. Das Schillerhaus habe ich dann auch noch zumindest von aussen betrachtet und das Schloss Heidecksburg über der Stadt von unten bestaunt. Der Regen liess dann auch nach und es wurde auch wieder warm. Der Saaleradweg führte mich heute nach Jena, wo ich schon um 13:20 eintraf. Ich hab mir für die Nacht ein Zimmer gegönnt in der Nähe des Fussballstadions und musste noch bis 14 Uhr auf den Checkin warten. Als ich dann auf dem Zimmer war, ging draussen ein richtiger Wolkenbruch nieder. Glück gehabt. Ich ruhte mich eine Zeitlang aus und ging dann gegen 17 Uhr in die City.

Jena ist eine Mischung aus Alt und Neu, viele Studenten, Baustellen, liegt in einer Art Kessel umgeben von vielen Hügeln. Ich konnte das Alles vom mächtigen silberglänzenden Jen Tower bzw. der Aussichtsplattform sehen. Die Dame am Empfang, die auch die Tickets verkauft, war sehr gesprächig und als ich wieder hinunter kam, konnte ich mich kaum loseisen. Ist halt auch ein einsamer Job hinter so einem Tresen. Mein warmes Essen nahm ich bei einem gemütlichen Chinaimbiss ein, den ich ohne Tripadvisor nicht gefunden hätte. Es gibt aber dort auch jede Menge andere Möglichkeiten, um satt zu werden.

Das ist heute so im groben passiert. Was habe ich denn sonst noch so gemacht die letzten Wochen, werdet ihr fragen. Mit Bettina bin ich ja den Altmühl-Tauber-Radweg bis Wertheim und dann den Aalbachtalradweg nach Würzburg gefahren. Am Samstag morgen habe ich Bettina dann zum Zug gebracht und bin weiter am Main bis Volkach gefahren. Da ich mich mit einem anderen Youtuber (soll Überraschung bleiben) in Regensburg verabredet hatte, nahm ich von Volkach bis Dechsendorf am Main-Donau-Kanal dann eine Abkürzung, den 2 Frankenradweg. Über Erlangen und Nürnberg fuhr ich dann auf den 5Flüsse-Radweg an die Pegnitz und Vils bis Etzlwang. Am nächsten Tag war ich nach fast 100 km in Regensburg am Kanu-Club Campingplatz direkt an der Donau. Zu zweit sind wir dann die Naab hinauf gefahren und weiter den Waldnaabtal-Radweg bis Bayreuth, wo wir uns wieder trennten. Ich nahm den Zug bis Hof an der Saale, um ein Stück den Saaleradweg zu fahren. Die Planung hat einen Grund: ich habe mir in Nürnberg schon vorzeitig ein Rückfahrticket nach Hannover ab Bayreuth für den 28.7. gekauft. Da ich aber nun schon viel früher in Bayreuth eintraf und zum Glück das Ticket eine Zustiegsmöglichkeit in Leipzig vorsieht, sollte die Saale mich Richtung Leipzig führen. Der Radweg stellte sich als sehr anspruchsvoll und mühsam heraus, so dass ich mit komoot auch eine kürzere Alternativstrecke zwischen Blankenstein und Bad Blankenburg austüftelte. Nach Jena nahm ich heute wieder die Originalroute und morgen nach Naumburg auch, da nun die flacheren Abschnitte kommen. Ab Weißenfels werde ich Dienstag dann gen Leipzig abbiegen und am späten Nachmittag dort in den IC nach Hannover steigen.

Somit neigen sich 60 Tage Freiheit dem Ende zu und ich überschreite morgen die 4000 km Grenze. Ich habe viel gefilmt, um hinterher noch einige Details der langen Zeit zu erinnern. Ein Resumee werde ich später noch ziehen, wenn ich zuhause bin. Jetzt muss ich unbedingt ins Bett und Schlaf nachholen. Seht es mir nach und bis bald von der Leine.

P.S. Wer meine Tour auf komoot oder Strava verfolgt hat, wird gemerkt haben, dass die letzten Tage fehlen. Der Grund ist der Hackerangriff auf Garmin. So konnte ich die Tracks nicht mehr mit Garmin Connect hochladen. Hole ich auch später nach.

Wasserfall bei Kahla

Schiller Haus in Rudolstadt

Kocher – Jagst – Donau – Altmühl – Tauber – jetzt auch zu zweit

Mi. 15.7.2020
Heute habe ich mal wieder etwas Lust und Zeit am Ruhetag in Bad Mergentheim zu bloggen. Seit dem 7.Juli ist Bettina mit auf tour und wir sind zusammen in Ulm auf den Donauradweg gestartet. Seitdem ist das Zelt auch in der Tasche geblieben und der Luxus von festen Dächern hat das Reisen etwas einfacher gemacht. In Coronazeiten aber auch mal interessant, welche Variationen es z.B beim Frühstück gibt. Gleich in Ulm wurde uns von der Chefin das gewünschte Lebensmittel vom Buffet auf den Teller gegeben, weil wir uns nicht selbst bedienen durften. Dann gibt es da noch die Auswahlzettel, die man am Tag vorher ausfüllt bzw. ankreuzt und dann morgens das Bestellte auf den Frühstückstisch bekommt. Alternativ bekommt man aber auch eine „Aufschnittplatte“ mit Brötchenkorb ohne Vorauswahl serviert. Jeder Beherbungsbetrieb setzt die Regeln anders um.
Die Campingplätze nehmen zwar zu gefühlt 95% auch Tagesgäste mit Fahrrad und Zelt auf, aber aufgrund der übrigen 5% rufe ich lieber vorher noch an. Das war vor Corona eigentlich nicht nötig. Der Mundschutz ist im Grunde überall usus und fast Alle halten sich dran oder drehen sich peinlich berührt weg, wenn sie ertappt werden. Desinfektionsspender pflastern alle Wege und ich hätte nicht gedacht, dass mein Berufsalltag sich soweit in den normalen Alltag hineindrängt. Jetzt seht ihr mal, was für einen Aufwand ich und meine Kollegen jeden Arbeitstag betreiben, um keimfrei zu arbeiten.

Seit dem letzten Eintrag vor gut 2 Wochen bin ich den Kocher- Jagst- Radweg (340 km) gefahren und den Brenzradweg zur Donau bei Dillingen (55km). Von Dillingen zurück nach Ulm und ab Ulm mit Bettina dann die Donau bis Kelheim. Ab Kelheim den Altmühl-Tauber-Radweg, den wir morgen in Wertheim am Main vollenden werden. Gut 3000 Kilometer liegen insgesamt hinter mir. Am Kocher-Jagst-Radweg war ich 2mal auch im Zimmer, da dort wenige Campingplätze sind. Schwäbisch-Hall war die 1. Station mit gutem Campingplatz. Dann Bad Wimpfen am Neckar, wo ich für 40 Euro ein erstklassiges Doppelzimmer als Upgrade bekam und der nächtliche Regen mir nichts anhaben konnte. Bad Wimpfen ist sehr besuchenswert. Wundervolle Lage und schöne kleine Altstadt. In Jagsthausen nahm ich erneut ein Zimmer. Der Ort ist wegen Götz von Berlichingen sehr bekannt. Festspiele bringen normalerweise Scharen von Besucher dorthin. Dank einem Abstecher nach Rot am See konnte ich endlich wieder zelten und lernte Rainer kennen, der neben mir mit seinem Wohnmobil stand. Morgens konnte ich mit ihm frühstücken, vielen Dank nochmal dafür. Ein sehr familiärer ruhiger Platz im übrigen. Die Jagst war zum Schluss nicht so leicht zu fahren, viele Wellen und ich wollte von Rot am See zurück nach Königsbronn. 80 km- und ich wollte etwas abkürzen. Komoot berechnete mir einen Weg quer Beet, so dass ich das Rad und Gepäck über eine Holzbrücke mit Treppen tragen musste und einen Wanderweg hoch zur Strasse. Romantisch, aber zeitaufwendig und schweisstreibend. Den Weg von Ellwangen bis Königsbronn nahm ich auch direkt, obwohl der offizielle Radweg noch einen Schlenker mit kleinem Berg vorgesehen hatte.

Und dann war ich das 2. Mal in Gabis Büro zum Einchecken in Königsbronn. Ich konnte meine Beschwerde los werden, dass ich bei meinem letzten Aufenthalt die Duschmarke nicht in den Münzautomaten hatte werfen können und somit nur kaltes Wasser bekam. Irgendein Hindernis war im Schlitz. Sie gab mir eine neue Marke und ich solle es damit versuchen. Ausserdem verordnete sie mir einen anderen Platz, weil noch ein Wohnwagen kommen könnte. Schon beim Aufbau musterten mich 2 andere Dauercamper und als ich mein Büchse Radler ansetze, kommt schon der Ruf „Hey, komm mal rüber“. Ich komme der charmanten Bitte nach und setze mich zu den beiden Männern, um ihre Fragen zu beantworten. Wo ich herkomme, wo ich hin will usw. HANNOVER, das ist ja ein Ding, hätten sie nicht gedacht. Sie haben gewettet aus dem Hunsrück oder Schwaben. Vor kurzem war wohl eine Frau aus Langenhagen da. Ich eise mich los noch bevor die nächste Flasche Bier geöffnet wird, weil ich noch die Dusche testen möchte und der Magen knurrt. Die neue Duschmarke liess sich übrigens auch nicht versenken, aber diesmal war ich ja vorbereitet und stand erneut bei Gabi auf der Matte, weil eine kalte Dusche kein Vergnügen bedeutet. Zumal hat die Marke den Rekordpreis von 2 Euro gekostet. Vom Balkon aus gab mir Gaby auf meine Beschwerde hin die Erlaubnis, die Damen-Dusche zu benutzen. Kein Problem, weil auch wenig los war und ich konnte endlich mal warm duschen in Königsbronn.

Sonntag 5.7. Ich habe eine Verabredung auf meinem Weg zur Donau. In Königsbronn entspringt die Brenz und ich fahre den Brenzradweg Richtung Heidenheim, wo ich Astrid und Winni treffen werde. 2 Abonnenten unsres Youtubekanals, die auch große Sizilien bzw. Italienfans sind. Wir standen schon lange in Verbindung und endlich sollten wir uns real treffen trotz Corona. Es hat auch wunderbar geklappt und die Beiden warteten schon am vereinbarten Treffpunkt. Wir radelten zusammen los und unterhielten uns – soweit möglich – unterwegs. Eine große Mittagspause in einem Biergarten gab nochmal die Gelegenheit zum ausführlichen Gedankenaustausch. Der servierte Wurstsalat hat mir auch sehr gefallen. An der Donau angekommen, fahren Astrid und Winni wieder zurück zu ihrem Auto in die Steiff-Stadt Giengen an der Brenz.

In Dillingen ist ein schöner Campingplatz direkt an der Donau. Neben der Zeltwiese ist gleich ein Biergarten und der ist am Sonntag erstaunlich voll. Es ist sehr warm und eine Menge Haut bleibt für die vielen hungrigen Mücken offen. Etwas zu spät krame ich das Autansspray heraus und sprühe mich ein. Trotzdem fliehe ich recht schnell nach dem Kochen ins Zelt, denn man kann ja nicht Alles einsprühen. Am Morgen beginnt es zu regnen, aber ich habe nur eine kurze Strecke nach Leipheim und packe das nasse Zelt ein. In Leipheim ist ein großzügiger Campingplatz etwas abseits der Stadt und Donau. Sehr familienfreundlich und eine riesige Zeltwiese ohne Bäume. Ein frischer Wind wie an der Küste erfordert große Konzentration beim Zeltaufbau. Der erste Sturmtest für mein Hilleberg, aber später flaut es ab. Die Sanitäranlagen sind sehr luftig aufgestellt, was in Coronazeiten die Maske fast überflüssig macht. Alles Einzelkabinen und kein enges Gebäude, sehr angenehm. Am nächsten Morgen warte ich extra lange, damit das Zelt richtig gut abtrocknet.Grund: Die nächsten Tage werde ich nicht zelten, sondern mit Bettina in Zimmern übernachten. Um 12:54 kommt sie am Ulmer Hauptbahnhof an. Das Hotel ist auch direkt neben dem Fischerviertel. Wir checken ein und sehen uns Ulm an. Erst von oben, vom größten Kirchturm der Welt, dann unten das schrägste Hotel der Welt im Fischerviertel. Das Wetter verspricht Sommer die nächsten Tage. Wir fahren die Donau weiter gen Osten, vorbei an Dillingen bis ins kleine Buttenwiesen zu einem italienischen Restaurant plus Hotel. Zimmer gigantisch, Pizza auch =38 cm. Wir lesen das zu spät und Bettina muss dann doch kapitulieren. Auch das Frühstück ist mit dem italienischen Bayer und dem Cappucino ein klein wenig Italia. Bella. Wir sind gut in Form und nehmen die nächsten 80 km Donauradweg in Angriff. Ingolstadt ist Tagesziel. Warm ist es, aber mit Wärme kennen wir uns ja aus und sind eingespielt. Wasser trinken, Kleinigkeiten essen, Schatten suchen. Die Pension in der Audi-Stadt hat den Charme einer Gastarbeiterherberge. Die sehr nette Frau an der Rezeption spricht lieber Englisch. Das Ambiente geht in Richtung Russland oder Balkan, im Hinterhof stehen die aufgeklappten Kofferräume der Pizzaboten-PKWs. Man bietet uns ein kleines Doppelzimmer mit großem Bett an oder ein Vierbettzimmer mit Einzelbetten. Wir nehmen das Vierbettzimmer, weil es da mehr Platz für unsere 8 Taschen gibt. In das Stadtzentrum fahren wir mit den Rädern und dort gibt es wieder mal Pizza.

Unsere letzte Donauetappe wird kürzer. Gewitter sind angesagt und ich habe am linken Schienbein wohl mehrere entzündete Mückenstiche, die eine Schonung des Beines erfordern. Wir fahren zum Ingolstädter Bahnhof und von dort nach Neustadt a.d. Donau, um ein wenig abzukürzen. Von Neustadt sind es nur noch 15 km zum Kloster Weltenburg. An der berühmten Klosterschenke ist schon eine kleine Schlange, als wir um 12 Uhr ankommen. Wir schieben gleich weiter Richtung Schiffsanleger und lösen 2 Tickets fürs nächste Schiff um 12:30. Zu kurz also die Zeit für die Klosterschenke und ein Bier wäre sowieso um diese Zeit keine Option. In Ruhe und Schatten warten wir auf die Ankunft unserer Fähre nach Kelheim durch den berühmten Donaudurchbruch oder Weltenburger Enge mit diversen Felsen, die Namen haben wie Versteinerte Jungfrau, Peter und Paul, Napoleons Reisekoffer oder Räuberfelsen. Mit 10 anderen Fahrrädern schieben wir unsere auf das Schiff und erleben eine eindrucksvolle 20minütige Schiffsreise der besonderen Art. Ab Kelheim verlassen wir dann mit diesen Eindrücken die Donau und beginnen einen neuen Radweg: den Altmühltalradweg. Erst nur am Main-Donau-Kanal, der bis Dietfurt praktisch mit der Altmühl identisch ist. In Dietfurt übernachten wir und schauen uns abends noch die Mündung der Altmühl in den Kanal an. Der Tag war sehr staubig und wir spritzen in einer Waschanlage unsere Taschen und Räder ab. Nachts kommt dann der große Regen. Wir haben Glück gehabt.

Zum Schluss noch – ich muss leider etwas abkürzen – ein kurzer Abriss der letzten Tage: Die Altmühl von 233 km fahren wir in weiteren 3 Tagen : Mörnsheim – Leutershausen und schliesslich Rothenburg o.d. Tauber. Am 12. Juli, dem Sonntag ist auf dem Abschnitt nach Leutershausen natürlich viel los und als wir in einem kleinen Ort Pause machen, spricht uns ein älterer Mann auf einem Liegerad an: Seid ihr es??? Die Beiden von Youtube? Wolfgang, ein Abonnent hat uns erkannt und wir klönen bestimmt noch 20 Minuten auf der Strasse. Etwas später vor Ornbau wollen wir eine schöne Brücke fotografieren und werden ein 2. Mal erkannt, diesmal von Erika und Fredi, die dort in der Nähe eine Ferienwohnung gekauft haben, um die Gegend mit dem Rad zu geniessen u.a. -Erstaunlich und auch schön

Natürlich ist Rothenburg ein besonderes Erlebnis, was meinen Geburtstag auch besonders aufwertet. Die Stadt ist international berühmt und wir haben in Coronazeiten relativ wenige Touristen vor Ort. 2 Millionen Gäste im Jahr sind 2020 wohl nicht realistisch. Zum Ausklang nehmen wir an einer Nachtwächterführung teil und können das nur weiter empfehlen. Der Blick vom Burggarten ist ein Traum und ein Besuch der St. Jakobskirche genauso Pflicht wie vom Weihnachtsdorf oder dem Genuss eines Schneeballs.

Heute haben wir eine Privatführung durch Bad Mergentheim gehabt und können nur sagen, es lohnt sich. Man sieht die Stadt hinterher mit anderen Augen. Da wir beide die Stadt schon mal besucht haben, war es jetzt schön, hier nochmal alles in Ruhe besichtigen zu können. Es war auch wirklich ein Ruhetag, weil wir z. B. genug Zeit hatten auch mal an dem Wasserspielbrunnen im Kurpark zu sitzen. Stündlich gibt es dort mit Musik untermalte Wasserspiele.

Die weitere Planung hängt auch vom Wetter ab. Morgen soll es regnerisch werden und die nächsten Wochen sollen auch wechselhaft bleiben. Bettina wird am Samstag morgen von Würzburg zurück nach Hannover fahren. Ich plante erst, dann über den Werratalradweg gen Norden zurück zufahren, aber mein Plan B ist nun ein Schwenk gen Süden, um die restlichen Tage noch Wärme zu haben. Wo ich tatsächlich bis Ende Juli noch gefahren, gezeltet oder übernachtet habe, werdet ihr dann bestimmt auch hier erfahren. Beachtet auch – bei Interesse – den Facebookaccount. Bei Youtube kommt erst im August wieder etwas Neues, da ich unterwegs keine Zeit für einen vernünftigen Schnitt habe. Ich hoffe, ihr seid jetzt einigermassen informiert und ich bin froh wieder mal etwas rekapituliert zu haben.

Blauer Montag

29. Juni 2020 z. Zt. in Königsbronn

Ich sitze hier gerade vor dem Zelt und sehe den 4ten oder 5ten Regenbogen der Reise. Heute morgen wusste ich noch nicht, wo ich heute abend campiere. Ich bin bei trübem Tröpfelwetter von der Pension in Ehingen los und Richtung Blaubeuren gefahren. Der Magen prall gefüllt vom Buffet des Gasthofes. Mein erstes Ziel auf dieser offiziellen Nebenstrecke des Donauradweges ist der „Blautopf“.

Eine sogenannte Karstquelle, die aus großer Tiefe sehr viel Wasser frei gibt und den Fluß Blau bildet. Die Quelle ist wie ein großer Teich und das glasklare Wasser schimmert in herrlichen Blautönen. Ein Rundweg ist für die Besucher ausgeschildert.

Blautopf

Der Abstecher hat sich wirklich gelohnt. Dort treffe ich ein Paar wieder, mit dem ich mich an der Donauversinkerung schon unterhalten habe. Überhaupt kann ich über Einsamkeit oder Heimweh gar nicht klagen. Ein Gespräch ist immer irgendwo möglich, wenn man den Anstoss gibt und offen ist. Ab und zu habe ich in dieser Gegend hier allerdings schon Schwierigkeiten mit dem Dialekt. Ich muss oft nochmal nachfragen und dann sprechen die Leute betont deutlich.Ein Paar aus München, neben denen ich in Hausen gezeltet habe (Peter und Barbara), waren wohl kurz vor mir am Blautopf, wie mir das andere Paar erzählt. Von denen hatte ich übrigens den Tipp bekommen. Zum Glück, denn sonst wäre ich bestimmt die Hauptstrecke gefahren. Das Tal der Blau erinnert mich auch wieder an den wunderschönen 1. Tag an der Donau zwischen Donauesching und Hausen, wo herrliche Felswände das Tal einengen. Bis Ulm ist der Donauradweg für mich eine klare Empfehlung.

Zwischen Blaubeuren und Ulm

Schon vor Ulm war ich am Überlegen und Recherchieren, wo ich wohl mein Zelt aufschlagen könnte. Die Kanufreunde in Ulm haben ein Zeltplatz, waren aber nicht zu erreichen. Ein Zimmer wollte ich eigentlich nicht schon wieder. Also fasste ich den Entschluss, von Ulm aus gleich weiter mit dem Zug nach Aalen durchzustarten. Dort wollte ich den Kocher- Jagst-Radweg beginnen. Fahrradmitnahme ist in BaWü. übrigens kostenlos und ich sitze um 15:11 schon im RE nach Aalen. Dort habe ich noch über 1 Stunde Zeit, das Tagesziel herauszufinden. Mittels Google klappt es dann tatsächlich. Ein winziger Campingplatz südlich von Aalen ist telefonisch erreichbar und nimmt Zelte auf. Minicamping Königsbronn. Königsbronn ist auch eine Haltestelle unterwegs. Ein Mann mit Fahrrad, der zustieg, riet mir, schon eine Station vorher am Itzelberger See auszusteigen. Das tat ich auch und habe somit auch noch dieses Naherholungsgebiet mit eigenen Augen gesehen. Nur 2 km weiter lag mein Campingplatz, den eine Rentnerin namens Gabi betreibt. Direkt vor ihrem Haus ist eine Wiese mit 2 großen Eichen. Das Sanitärgebäude ist alt und funktional. Einige Dauercamper stehen am Grundstücksrand. Die Rezeption bzw. das Büro ist in Gabis Haus. Die Preise decken die Unkosten, für mich der billigste Platz auf der Reise. 6,50 incl. einmal warm duschen. Na gut, das Grundstück ist nicht abgeschlossen, aber in dem kleinen Ort fühlt man sich sicher und ich hänge auch bedenkenlos meine Navi-Akkus in der Toilette an den Strom.

Mini Camping Königsbronn

⁷Nachdem ich mich etwas ausgeruht habe, mache ich noch einen Gang durchs Dorf. Es soll auch eine Karstquelle geben, den Brenzursprung oder Brenztopf. Auch wieder glasklares Wasser aus der Tiefe schön eingezäunt mit malerischen Felsen im Hintergrund. Auf einem solchen Felsen hat man einen schönen Überblick über Königsbronn und auf den Topf.

Brenztopf

Hier war auch früher eine große Eisenhütte und der Antifaschist Georg Elser ist ein Sohn der Stadt. Georg Elsers Geschichte vom Hitlerattentat habe ich bei Wikipedia verschlungen wie einen Krimi. Schaut mal nach. Wenn Hitler nicht 13 Minuten zu früh den Saal verlassen hätte, wer weiss, was heute wäre ?
Ein Glücksfall für mich, dass ich hier heute gelandet bin und die Regentropfen am Abend haben wenigstens für einen farbenfrohen Abendhimmel gesorgt. Man musd immer das Positive sehen.

Burg Eltz

So. 21.06.20 zur Zeit Riegel am Kaiserstuhl

Heute habe ich die 1500 km Grenze überfahren. Ich bin an einem Campingplatz mit Badesee in Baden und habe den ersten richtigen Sommertag. Es war so warm, dass ich statt Dusche im See geschwommen bin. Der längste Tag und zugleich schönste Tag.

Die Fahrt an der Mosel hat mir besser gefallen, als am Rhein. Ich mag jetzt sowieso eher die kleineren Flüsse, weil die Wege oft romantischer sind. Der schöne Teil des oberen Mittelrheins – auch UNESCO Kulturerbe- hat schon seinen Reiz, aber das Wetter hat nicht gepasst.

Ich möchte heute eine kleine Episode von der Mosel berichten:

Mein Abstecher zur Burg Eltz am 12. Juni

Zwischen Cochem und Koblenz hatte ich gutes Wetter und ein anderer Radler beim Frühstück auf dem Campingplatz erzählte mir, dass er sich noch die Burg Eltz anschauen wollte. Das fand ich spannend und ich recherchierte gleich das Wie und Wo ? In Müden wich ich vom Radweg ab und es ging gleich gut hoch in die Weinberge. Ich sehe wie 2 Männer an den Reben schnippeln und halte an, um mich schlau zu machen. Der Winzer und sein Saisonhelfer aus einem Work&Travelprogramm beantworteten geduldig meine Fragen zur Weinbergpflege und Lese. Ausserdem bekam ich noch eine kompetente Wegbeschreibung. Kilometerlang schob oder schlich ich immer höher. Oben war eine Hochebene und ich steuerte einen Wanderparkplatz an. Ja WANDERN. Von dort führte kein kurzer Radweg zur Burg, sondern ein unwegsamer Wanderweg von 1,6 km zur Burg und zwar bergab durch den Wald. So schob ich fest entschlossen mein vollbeladenes Rad gen Burg Eltz. Etwa 20 Minuten später mündete noch ein anderer Waldweg ein und immer mehr Leute strömten zum erhofften Burgereignis. Ich kam bis zu einer Brücke und einem Bach, wo viele Menschen mit Kindern im Wasser planschten. Von dort kam man nur mit Treppen aufwärts und hoch oben war eine Burgauffahrt, auf der schon eine Menschenschlange auf Einlass wartete. Ich stellte das Rad dort unten ab und stieg kurz für ein paar Fotos und Videos hinauf. 150 Personen durften max. auf das Gelände.

Ich trat ernüchtert den ungewissen Rückweg an. Mir war klar, dass ich denselben Weg nicht zurück wollte, weil dieser bergauf eine enorme Strapaze bedeuten würde. Die Alternative war eher flach und sollte auch nicht länger sein. Es war nicht wirklich einfach wegen der anderen Wanderer, die sich an dem Rad vorbeiquetschen mussten oder mich vorbei lassen. Zum Schluss kamen auch noch Stufen, die ich aber bergab bewältigen konnte. Als ich wieder Asphalt unter den Rädern hatte, war ich heilfroh und die Mosel nicht mehr weit. Fazit: Wanderung ist schön dorthin, aber ohne Rad. Mit Rad nur die Autozufahrt nutzen oder gleich per Bus.

Wort vom Rhein

Hallo liebe Blogleser*,
Vor Cochem bin ich mit dem Bloggen nicht mehr weitergekommen. Es gibt mehrere Gründe, warum ich nicht mehr weiter schrieb. Die Tage sind meist schon so voll gepackt. Das Zelten, selber kochen und noch Fahrradfahren ist nicht mit Langeweile gesegnet. Das Wetter und seine Launen machen es nicht einfacher. Die 1. Woche war durchgeplant. Jetzt plane ich von Tag zu Tag , von Ort zu Ort, Camping oder Zimmer je nach Wetterlage oder Verfügbarkeit. Oft habe ich abends auf den Plätzen schon Leute kennengelernt und natürlich dabei auch nicht an Blog schreiben gedacht. Dazu kommen noch Telefongespräche mit Bettina und andere private Chats. Also insgesamt ist die Zeit ausgefüllt und ich überlege schon immer, wie ich das hier weiter machen soll. Man riet mir auch schon, es dann lieber bleiben zu lassen und meine Zeit zu geniessen. Auch für mich ist das eigentlich schade, da ich viele Details dann vergessen werde. Ich setze mich aber nicht mehr unter Druck und schreibe nur noch, wenn ich wirklich Lust und Zeit habe. Jetzt erst habe ich das Stadium, was ich sonst noch nie hatte. Ich bin länger als 3 Wochen unterwegs.
Heute bin ich 35 km nördlich von Strassburg und habe 1350 km hinter mir. Fulda, Kinzig, etwas Main, etwas Rhein, etwas Nahe, Glan-Blies- Radweg bis Saarbrücken, Saar-Radweg, Mosel-Radweg und nun den Rhein hinauf. Bis zum Bodensee will ich erstmal. Morgen Kehl mit Strassburg, dann Offenburg, Breisach, Lörrach…
Vielen Dank schon mal den treuen Lesern wie Bettina, Natascha, Tatjana, Michael, Anja, Meike, Falke-Horys, Thomas, Axel,Harry, Erika, Petra, Karen und wen ich jetzt noch unentschuldbar vergessen habe.
Auf jeden Fall filme ich ab und zu unterwegs und spreche einige Ereignisse in die Cam. Also ist noch nicht Alles verloren. Nun wisst ihr erstmal Bescheid. Apropos Wetter: Ja, es ist ab und zu nicht leicht gewesen diese trüben und regnerischen Tage zu ertragen, aber am Horizont wird es heller. Ich hab mich selbst schon den „ Regenmacher“ getauft.

Und ganz zum Schluss: Die Werbung von WORDPRESS kann ich nicht beeinflussen, aber mit einem Upgrade ausschalten. Das habe ich noch nicht gemacht, obwohl ich es versprochen hatte.

Schloss Karlsruhe

Der burgreiche Fluss

9.Juni 2020 Wasserbillig – Bernkastel Kues 92 km
Da ich erst um 10 Uhr auschecken konnte, fuhr ich vorher noch zum Bäcker frühstücken. Ein edler Bäcker in Luxemburg, das schlug zu Buche, aber die Brötchen waren lecker. Der Moselradweg und eine lange Etappe brauchten Energie.

Fähre über die Mosel
Ja, die Mosel. Traum aller Radfahrer, aber ich war die ersten Kilometer völlig enttäuscht. Rund um Trier war da nix, was mir Spass gemacht hat. Schlechter Belag, viel Verkehrslärm, schliesslich noch der Industriehafen, durch den der Radweg führt. Hinter Schweich wurde es dann so, wie man es sich vorstellt. Weinberge, weniger Strasse oder Verkehr und eine sich schlängelnde Mosel.Ich hatte mich dann nur in der Etappenlänge verschätzt und es dauerte schon ziemlich lange bis irgendwann mal überhaupt Bernkastel angezeigt wurde. Mittlerweile trübte sich auch das Wetter ein. Fast unerwartet begann es zu regnen. Unter einer Brücke trafen sich mehrere Radler und ich unterhielt mich mit 2 unmotorisierten Rentnern über die Reisepläne. Eine Zwangspause, die sehr unterhaltsam verlief. Der Regen ebbte ab und ich konnte ohne Regenzeug weiter. Die Regenjacke hatte ich wegen der Temperaturen sowieso an. Es zog sich. Um mind. 20 km habe ich mich verschätzt. In Bernkastel wollte ich mich noch mit Getränken eindecken. Da kam der nächste Schauer. 4 km hinter der Stadt lag der Campingplatz Schenk. Ich checkte ein beim sympathischen Chef ein und suchte meinen Platz auf. Nebenan ein Wildgehege mit zutraulichen Rehen. Es tröpfelte immer noch. Zögerlich baute ich das Zelt auf und war überrascht, als mich die Familie nebenan zum Essen einlud. Thomas, der Sohn Albert und – ich nenn sie mal Daja – haben Mitleid mit mir und denken ich bräuchte jetzt was Warmes. Treffer! Schon sitze ich an ihrem Tisch mit meinem Trangiatopf und bekomme leckeren Reis mit Curryhuhn. Super viel Dank nochmal, wenn ihr das lesen solltet. Wir haben uns auch gut unterhalten, aber der Inhalt bleibt unter uns!10. Juni 2020 Bernkastel Kues – Kröv 20 km
Ruhetag sozusagen. Der 90km- Etappe geschuldet und dem schlechten Wetter. Ich kann endlich mal ohne Aufwand morgens am Zelt Kaffee trinken, weil Thomas schon heisses Wasser brutzelt. Mir ist der Aufwand immer noch zu heftig, zumal ich ja noch zum Bäcker muss, um zu essen. Ganz gemütlich zockel ich zum nahegelegenen REWE und dem dortigen Bäcker. Bei der Fahrt zurück nach Bernkastel werde ich fast von einem PKW erfasst, weil ich rechts vor links missachte. Glücksengel hat geholfen. Mir war aber auch unklar, warum diese Strasse keine Vorfahrtsstrasse war.Bernkastel ist zwar schön, aber natürlich ist am zentralen Marktplatz ein Gebäude eingerüstet und zerstört so das ganze Bild. Was gibt es sonst noch zu sehen? Ich sehe ein Hinweisschild zur Burgruine Landshut. Auf Google Maps nur 900 m. Nix wie hin. Ich komme sogar an einem Wasserfall vorbei. Schiebe das Rad über einen Waldweg und bin plötzlich da. Eine sagenhafte Aussicht wieder.Geschwind geht’s den Berg wieder runter und gemütlich an der Mosel Richtung Traben. Es sind nur 18 km bis zum Campingplatz Wolf. Die Dame an der Rezeption gibt mir einen Platz direkt an der Mosel. Am steil aufragenden Weinberg gegenüber steht in weissen Lettern „Kröver Nacktarsch“. Wohl der beste Spot bisher und die langen Frachtschiffe tuckern regelmässig an mir vorbei. Ich baue auf und mache mich fertig für Traben Trarbach.Ich brauche nicht lange für die 5 km ohne Gepäck. In einer Eisdiele besorge ich mir was gegen Unterzuckerung. Traben hat auch eine Burgruine, Ruine Grevenburg. Diese Höhe erklimme ich auch noch. Das Rad schliesse ich unten an. Der Pfad ist idyllisch, geht mitten durch die Weinberge und fast niemand ist unterwegs. Oben gibt es eine Gaststätte, die zur Zeit geschlossen ist.Der Stadtteil auf der anderen Moselseite ist größer und ich finde sogar einen Dönerladen. Der Bäcker für den nächsten Tag, und zwar Feiertag „Fronleichnam“ ist auch gesichert. Bleibt noch ein gemütlicher Abend auf der Bank neben meinem Zelt am Fluss.
Pension mit Corona-Puppe

Saar-Radweg

Hallo Freunde, ich bin gesund und munter, aber habe wenig Zeit zum bloggen. Ich versuche, es wieder aufzuholen. Es ist viel los jeden Tag und das Zelten kostet Zeit und ist aufwendig. Dazu kommt das unbeständige Wetter. Also seht es mir nach und hier nun weiter:7. Juni 2020 Saarbrücken – Merzig 851 kmFahhradfahren ist wieder angesagt. Beim Frühstück in der Jugendherberge habe ich wieder ein aha-Erlebnis und habe mich hinterher über mich selbst geärgert. Ich steuere meinen zugeteilten Sitzplatz im Saal an und schaue kurz auf meinen Tischnachbarn am Kopfende. In wenigen Sekunden habe ich ihn vom Äusseren her in eine Schublade gesteckt. Ich glaube, dass es an dem Baseball Cap lag, dass ich ihn sofort auf „no contact“ setzte. Ich kaute so vor mich hin, als der etwa 30- jährige Bursche plötzlich etwas in den Raum wirft wie „ das ist doch echt ganz schön krass, dass hier so wenig los ist“. Die Frau am Nachbartisch stimmt ihm sofort zu und es beginnt eine kleine Diskussion über die Coronazeit. Ich bin auch erfreut über das „ gebrochene Eis“ und dass die Schublade Baseball Cap bei mir ab sofort gestrichen wird. Es kommt zu einem überaus interessanten Gespräch, wo ich in wenigen Minuten erfahre, dass der junge Stukkateur auch Weltenbummler ist, Neuseeland mag, bald nach Kanada möchte und heute noch einen Freund in Luxemburg besuchen möchte, nach dem Fitnesstudio. Ich schaue auf die Uhr und muss unseren Plausch leider etwas abwürgen.
9:30 JH Check out. Ich öle einfach mal die Kette. Erstes Ziel ist der Tipp vom Museumsmenschen gestern: die Völklinger Hütte. UNESCO-Weltkulturerbe und ein Teil der Geschichte des Saarlandes. Ich komme an und bin erfreut, dass es wohl Fahrradgaragen zum Unterstellen gibt. Die Besichtigung dauert 2-3 Stunden. Für einen Pfand von 10 Euro bekommt man einen Schlüssel und kann sein vollbepacktes Rad in eine Box schieben. Perfekte Lösung. Mein zweites Glück: Heute ist Eintritt gratis, weil Welterbetag. Bingo !
Die Eisenhütte ist kaum zu beschreiben. Ein gigantischer Industriekomplex, der noch so belassen wurde, wie vor 30 Jahren. Unglaublich riesige Maschinen, Röhren, Schornsteine…. Es wird versucht, mit einem Rundgang den Fertigungsprozess zu beschreiben. Dazwischen wird der Industriekomplex als Kunstgalerie genutzt. Afrikanische Fotos oder antike Fundstücke sowie Street Art findet dort seinen Platz in dem an Lost Places erinnernden Industrieruinen. Die Pflanzen sind schon länger dabei, sich Raum zu schaffen.

Mein Tagesziel ist ein Campingplatz in Merzig. Die Rezeption ist wie so oft gleichzeitig Treffpunkt für Dauercamper. Es stehen mehrere Bitburger auf dem Tisch vor dem Büro.

Ein hagerer Mann und eine Frau sitzen rauchend da und der Platzwart kocht gerade Kaffee im Büro. Ich begrüße ihn und frage gleich nach der Maske, aber er lacht nur und so war das Thema erledigt. Natürlich hängen überall Schilder „Maskenpflicht“. Der Platz kostet incl. Bitburger 0,3 mit Duschen 9 Euro. Ich setze mich noch draussen zu den Anderen und halte etwas Smalltalk bzw. erzähle von meiner Tour. Die Zeltwiese liegt gleich am Grundstückszaun und ist ungesichert vor Passanten. Aber ich bleibe trotz Alternativangebot dort, weil es sonnig ist und guter Rasen. Ich dusche, koche und leg mich früh hin.Mo. 8. Juni 2020 Merzig – Wasserbillig (Mosel)Morgens ist es noch ziemlich kalt. Bevor ich zusammenpacke fahre ich zum Kaufland, um ein paar Dinge zu holen und frühstücke dort gleich. Der Supermarkt ist riesig und völlig ungeordnet. Der kleine Netto oder LIDL spart dann doch Zeit beim Suchen. Vor der Rezeption sitzen schon wieder Leute und Bitburgerflaschen sind auch frisch geöffnet. Mein Abschiedsruf wird lautstark erwidert. Sympathische Community.
Die berühmte Saarschleife erreiche ich schon nach wenigen Kilometern. Dabei fällt mir ein, dass ich mir gar keine Gedanken über „innere“ oder „äussere“ Schleife gemacht habe. Je länger ich aussen fahre, umso mehr habe ich das Gefühl, dass es innen schöner sein könnte. Vor mir taucht der Baumwipfelpfad ganz oben auf und ich freunde mich mit der Idee an, dort den Chloe-Pfad hinauf zu kraxeln.

Der Einstieg ist unscheinbar und ich schiebe mein beladenes Rad die Böschung etwas hoch, um es dort optisch geschützt anzuschliessen. Mit der geschulterten Lenkertasche steige ich den urigen Pfad in gutem Tempo nach oben. 30 Minuten später habe ich einen fantastischen Blick über die Saarschleife und bin froh, das gemacht zu haben. Den 7 Euro teuren Baumwipfelpfad schenke ich mir auch aus Zeitgründen.

Die Saarschleife

Unten wieder am Rad nach gut 1 Stunde entschied ich mich dafür, nochmal bis zur Brücke zurückzufahren und dann doch den inneren Schleifenweg zu nehmen. Er ist sicher – im Nachhinein – idyllischer und ruhiger, aber auch vom Belag nicht asphaltiert. Trotzdem hat man schöne Ausblicke und ich hab es nicht bereut.
Hinter Mettlach ging es dann irgendwo etwas steiler zu einem Aussichtspunkt mit Kapelle. Dort stand schon ein vollbepacktes Fahrrad. Auf der Bank neben der Kapelle machte der Fahrer Pause. Ein junger Mann rauchte eine Zigarette und wir kamen ins Gespräch. Sein Weg geht in Richtung Bodensee, aber direkter als meiner. Er berichtet von einem Problem mit dem Hinterrad durch das massive Gepäck. In Trier wurde es noch morgens erst repariert. Die Pause wurde durch unseren Austausch ziemlich lang und nun sollte ich aber weiter. Zumal auch irgendeine schwierige Passage noch kommen sollte. Diese stellte sich aber als harmlose 200 m lange Schiebestrecke aus Sicherheitsgründen heraus. Nichts was Zeit kostete.
Die Saarmündung musste ich fotografisch natürlich festhalten. Wieder ein Grund für eine Pause. Die Mündung beider Flüsse kam mir wie ein See vor. Ein großer Stein und ein rostiges Schild weisen darauf trotzdem noch hin. 10 km noch bis zum Campingplatz. Ich muss die Mosel ein Stück hinauf fahren. Das letzte Stück sogar mittels Fähre nach Luxemburg noch meistern. Dann bin ich da. Auf eine Telefonnummer antwortet ein Mann: Ja, ich komme gleich zu Ihnen. In Arbeitsklamotten mit einem Fahrrad kam er auch schon 2 Minuten später angebraust. Er zeigt mir auf der riesigen Wiese mein Areal und wir verabredeten, dass ich morgen um 10 alles regeln sollte.
Ruckzuck bekam ich auch hier wieder Kontakt. Begrüssung reicht manchmal schon, um ein Gespräch zu haben. Ein junger Mann mit Bierdose in der Hand sprach mich aufs Zelten an. Er hätte jetzt ein Chalet hier auf dem Platz gemietet und bräuchte nicht mehr zelten. Arbeiten würde er hier in einer Kneipe. Ich könne auch bei ihm übernachten, 15 Euro mit Frühstück. Kochen könne ich da auch usw. Er war aufdringlich und ich mochte das nicht. Scheinbar hat er das irgendwann kapiert. Schön an dem Abend war ein plötzlicher Regenbogen am Himmel.

Nicht schön, dass es plötzlich anfing zu regnen, als ich gerade essen wollte. Ein trockenes windstilles Plätzchen gab es gottseidank noch.
P.S. Wie konnte ich Saarburg vergessen ? Ein schnuckliges kleines Städtchen mit Burg und einem tollen Wasserfall (Klein- Bad Gastein sozzsagen)

Wasserfall von Saarburg

Reisen mit und ohne Fahrrad